Heute früh empfing uns Brüssel wieder mit strahlendem
Sonnenschein. Zum Glück, denn wir hatten zwei Ziele auf dem Programm, bei denen
klare Sicht von Vorteil war. Dazu mussten wir uns zunächst mit dem Brüsseler U-Bahnsystem
auseinander setzen. Eine einfache Aufgabe, wenn man Berlin gewöhnt ist. Wenn
man mal von den seltsamen Fahrkartenautomaten absieht und der einen Station, wo
zwei Züge dieselbe Endhaltestelle haben, aber in unterschiedliche Richtungen fahren.
Aber von so Kleinigkeiten lassen wir uns ja nicht lange aufhalten und wanderten
gut gelaunt durch eine tolle Parkanlage auf eins „der seltsamsten Bauwerke
Brüssels“ (Zitat Reiseführer) zu: die Basilique Nationale du Sacré-Couer auf
dem Koekelberg. Grundsteinlegung war 1903 und aufgrund der Baupause während des
ersten Weltkrieges und der anschließenden Veränderung des Geschmacks konnte man
sich wohl nicht so Recht entscheiden, wie man diese Kirche gestalten wollte.
Heraus kam am Ende ein Mix aus Neugotik und Art Deco und einer der größten Kirchen
der Welt.
Das Highlight ist aber auf jeden Fall der Blick von der über
fünfzig Meter hoch gelegenen Kuppel auf die Stadt. Zum Glück mit stabiler
Steinmauer drum herum, sonst hätte Susanne gestreikt! Von dort hatten wir auch
einen schönen Blick auf eines unserer nächsten Ausflugsziele, nämlich dem
Atomium.
Zwischen uns und dem frisch geputzten und damit lustig
strahlendem Atomium, stand aber zunächst eine Rundreise durch Europa auf der
Tagesordnung. Ganz Europa in zwei Stunden. Ein Paradies für Japaner, die zum
Glück zu dieser Jahreszeit nicht so inflationär auftreten. ;-)
So konnten wir ganz entspannt zwischen den Miniaturbauten
flanieren, das ein oder andere künftige Reiseziele entdecken und Susannes
Kamera strapazieren. Die ganze Anlage ist wirklich toll gemacht. Aber, ganz ehrlich,
als Malteser oder Luxemburger hätten wir schwer geschmollt. Eine
Ausgrabungsstätte bei den einen und eine Brücke bei den anderen – das soll
alles sein?
Eigentlich wäre jetzt dringend eine Pause fällig gewesen,
aber angesichts des schwindenden Tageslichtes sind wir dann doch erst zum
Atomium und dort in die oberste Kugel gefahren. Der Ausblick von hier war noch
etwas imposanter. Zum Glück für Susanne gab es aber auch hier stabile Wände
zwischen ihr und dem Abgrund. Brüssel ist aber wirklich eine sehr
übersichtliche Stadt. Die ein oder andere Kirche ragt heraus und natürlich der
riesen Hochhauskomplex, in dem die ganzen EU-Büros untergebracht sind. Und wenn
man sich dann noch zu Gemüte führt, dass in der Stadt Brüssel grade mal 149.000
Leute wohnen, und bei der EU 30.500 Menschen arbeiten…
Zu Andreas Entzücken entdeckten wir im Park unterhalb des
Atomiums auch noch den Wohnsitz der belgischen Königsfamilie, wenigstens ein
bisschen adliger Glanz. ;-)
Enttäuscht waren wir willigen Merch-Opfer ja sowohl im
Mini-Europa, als auch im Atomium von den Shops. Nicht einen Cent haben wir
ausgegeben! Kurzzeitig keimte ja Hoffnung auf, als Andrea eine Werbung von
einem Pralinenhersteller für Pralinen in Micky Maus-Form entdeckte. Nur gab es
die Teile da leider nicht zu kaufen. So können wir nicht arbeiten! Google wurde
– kaum zurück im Hotel – auch sofort befragt, wo es diese Pralinen in Brüssel
und Antwerpen gibt. Da geht noch was… Andrea hört ja eh nicht auf zu nerven,
bis sie sie hat. ;-)
Nun folgte die längst fällige Pause bei einem leckeren
Himbeer-Bier. Das Unterhaltungsprogramm in der Kneipe war auch nicht ohne. Es
bestand aus zwei Kerlen, die einen künstlichen Weihnachtsbaum zusammen bauten
und anschließend dekorierten. Man kann sich dabei durchaus geschickter
anstellen. Als sie fast fertig waren, fragte der eine, was wir vom Baum halten
würden. Susanne antwortete brav, dass er ganz schick wäre. Aber der Mann wollte
keine Lügen hören, er bescheinigte sich selber lachend, dass der Baum eine
Katastrophe sei. Na ja… so deutlich wollte Susanne es ja nicht sagen. Der
Höhepunkt des Spektakels war erreicht, als die beiden, bei dem Versuch, die
Lichterkette um den Baum zu wickeln, natürlich die Hälfte der mühevoll
angehängten Kugeln wieder herunter rissen… höchste Zeit, den Laden fluchtartig
zu verlassen, um keinen totalen Lachanfall zu bekommen.
Da es mittlerweile dunkel war, präsentierte sich das Atomium
in schönster Blinker-Beleuchtung, die noch fotografisch eingefangen werden
musste, eh wir die Rückreise antraten. Im Gegensatz zu gestern war der Betrieb
auf dem Weihnachtsmarkt sehr übersichtlich, so dass wir uns recht entspannt die
erste Portion Pommes der Reise und anschließend einen original Nürnberger
Christkindel-Glühwein gönnen konnten.
Zurück im Hotel beschließen wir den Abend mit einem leckeren
Honig-Bier. Morgen früh statten wir dann noch dem Kleiderschrank von Manneken
Pis einen Besuch ab, eh es weiter nach Antwerpen geht.
Bis morgen, ihr Lieben.
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