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Freitag, 11. Oktober 2019

Auf dem Canada Highway quer durch Ontario

Auch dieser Tag begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen. In Ottawa ist ja bekanntermaßen auch ein NHL-Club angesiedelt. Leider passten der Spielplan und unsere Reisepläne nicht zusammen, aber das heißt ja nicht, dass man die Halle und den dort ansässigen Shop nicht besuchen kann. Geht allerdings nur mit dem Auto, denn die Halle liegt 30 Minuten vor den Toren der Stadt. Zentral ist anders, aber sie ist leicht erreichbar. Die beiden Mitarbeiter guckten uns freudig an, als wir den Laden betraten. Laufkundschaft ist da eher nicht an der Tagesordnung. Einige Kleinigkeiten nahmen wir natürlich mit, ehe wir den Rückweg antraten. Wieder in Ottawa, führte unser erster Weg uns zum Parliament Hill. Unsere Recherchen hatten bereits zuhause ergeben, dass derzeit leider keine Führungen stattfinden, da umfangreich restauriert wird. 
Wir näherten uns dem Hügel, auf dem das Parlament thront von der Parkseite und hatten bereits hier einen wunderbaren Blick über den Rideau River, der durch die Stadt fließt. Auch, wenn wir aufgrund der Bauarbeiten, nicht ums Parlament laufen konnten, schlenderten wir so nah wie möglich heran. Ist schon ein hübsches Gebäude was die Kanadier sich da hingestellt haben.
Anschließend liefen wir in Richtung Downtown und schauten einfach die Stadt an. Die Mischung aus kleinen älteren Gebäuden und modernen Hochhäusern ist hier schon sehr witzig. Alles steht wild durcheinander.
Zum Ausklang des Tages fanden wir uns in unserem vertrauten Byward Market Viertel wieder. Wir entdeckten einen wundervollen Buchladen, der aber auch alles für einen gemütlichen Leseabend anbot. Klar, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, dazu dann eben auch Kerzen , Kuschelsocken und andere wundervolle Dinge - Hockeydinge! Wir waren uns schnell einig, solch ein Laden in Berlin wäre unser Verderben. Beim abschließenden Schlendern durch die Straßen rund um den Markt entdeckten wir dann noch einen Laden, der unsere Aufmerksamkeit erregte. Kanada und Ottawa-Merch in einer Qualität und zu Preisen, wie wir es bisher noch nicht gesehen hatten. Es dauerte, wie immer, nicht lang, bis ein aufmerksamer Verkäufer fragte, ob wir Hilfe bräuchten. Dann fragte er, wo wir herkommen. Auf unsere Antwort hin fing er an, in zuckersüßem , etwas holprigem Deutsch mit ganz starkem Schweizer Einschlag mit uns zu sprechen. Er erklärte, dass seine Familie ursprünglich aus der Schweiz kommt und kam aus dem Plaudern gar nicht mehr raus. Aber endlich konnten Andrea und Heike mal mit plaudern und mussten nicht nur lächelnd daneben stehen. Zu unserer aller Belustigung äußerte sich auch das Paar hinter uns. Sie kamen aus Friedrichshafen, was bekanntermaßen direkt neben Mannheim liegt, und beteuerten, dass sie nichts mit Eishockey am Hut hätten, nachdem sie Andreas Jacke gesehen hatten. Auch mit denen plauderten wir einen kurzen Moment.
Dann war auch unser letzter Tag in Ottawa vorbei.

Der heutige Tag bedeutete wieder eine etwas längere Autofahrt, da es rüber auf die kleine Insel Prince Edward im Lake Ontario ging. Aber erst einmal ging es in Ottawa noch zu den Hog’s Back Falls, offiziell Prince of Wales Falls. Kleine, künstliche Wasserfälle in einer tollen Parkanlage gelegen. Erneut hatten wir heute perfektes Herbstwetter und so bot der Park inkl. Wasserfall einen tollen Anblick. Sehr lange konnten wir es nicht genießen, denn wir hatten ja noch einiges an Weg vor uns.
Auf diesem lag der größte Hockeyshop unserer Reise. Hier mussten wir unbedingt hin, denn Heike war auf der Suche nach einem ganz bestimmten Hoodie. Diesen hatten wir bereits zweimal entdeckt, waren aber immer haarscharf an der passenden Größe vorbeigeschrammt. Dieser Shop war quasi unsere letzte Hoffnung. Hier gab es alles was Hockeyspieler und auch Hockeyfans benötigen und noch viel mehr. Zu ihrer Begeisterung entdeckte Sanne, dass es auch Leafs-Trikots der letzten Saison mit 20% Rabatt gab. Einige hektische Nachrichten mit Holger später hatte sie den Kauf getätigt, der von Anfang an für sie der wichtigste der ganzen Reise war. Böse, diese Läden. Ganz, ganz böse!

Nun war aber wirklich Abfahrt angesagt. Wie immer, wenn es geht, unter Vermeidung der Autobahnen. Und in dem Fall war es wirklich das Beste was wir machen konnten. Denn unser Weg führte uns über den Canada Highway. Kilometer um Kilometer, durch die pure Landschaft .Ein See nach dem nächsten und Wälder, die im strahlenden Sonnenschein um die Wette leuchteten. Und endlich einmal ein Straßenpflaster was tipptopp in Ordnung war. Denn ansonsten sind Kanadas Straßen zum Teil schon recht löchrig und holprig. Definitiv die schönste Strecke unserer bisherigen Reise. Okay… sie hatten uns nicht verraten, dass es auch kilometerlang keinen Tim Hortons gab, dabei hatten wir mittlerweile alle Kaffeedurst. Zum Glück hatten wir wenigstens vorher noch getankt, denn auch damit wäre es unterwegs etwas schwierig geworden. Nachdem wir endlich doch auf einen Tim Hortons stießen und unsere Pause gemacht hatten, lag noch ein Stündchen Fahrt vor uns. Manchmal ist es ja gut, wenn man nicht weiß, was einen unterwegs erwartet. Wenn Susanne geahnt hätten, dass sie über eine Brücke muss, die aufgrund von Bauarbeiten plötzlich halbiert war und nur noch aus einer engen Fahrspur bestand, hätte sie vermutlich einen Umweg in Kauf genommen. Aber half ja nichts. Wenden ging nicht, Augen zuhalten wäre auch keine gute Idee, also den Blick stur auf den Vordermann gerichtet und durch da. Am Ende der Brücke merkte sie, dass sie vielleicht mal wieder atmen sollte. Zum Glück warteten auf den letzten 15 Kilometern keine Überraschungen mehr und wir fanden unsere nächste Unterkunft in Picton recht schnell. Auf den Bildern war diese Unterkunft schon ein echtes Highlight. In natura ist sie einfach nur der Hammer! Ein altes Haus was so liebevoll bis ins Detail eingerichtet ist, dass man Tage braucht um alles zu entdecken. Schön war es von der Gastgeberin selbst begrüßt zu werden. Sie führte uns mit Stolz in ihr Haus und machte mit uns einen kleinen Rundgang. Über unser Entzücken freute sie sich genauso, wie wir übers Haus. Auf unsere Frage nach dem nächsten Supermarkt - denn wir brauchten Milch für den Kaffee - kam ein Lächeln und der Gang zum sehr gut vorbereiteten Kühlschrank. Darin war nicht nur Milch, sondern auch Joghurt, Eier, Blaubeeren, Orangensaft und alles weitere für ein gemütliches Frühstück. So viele Leckereien hatten wir uns während der ganzen Reise bisher nicht gegönnt. Jedes Quietschen von uns quittierte Jane mit einem kleinen Jubelschrei. Sie ist einfach glücklich, wenn es ihren Gästen gefällt und sie eine tolle Zeit hier haben. Andrea wollte spontan die Pläne für die letzten Tage canceln und einfach hier bleiben. Ganz ernsthaft, sollte uns unser Weg nochmal in den Osten Kanadas führen, steht diese Unterkunft hier ganz oben auf der Liste. Und das für mehr als nur zwei Tage!

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Zurück nach Ontario

Für die Reise nach Ottawa hatten wir uns erneut für die Fahrt über die Landstraße entschieden, da es einfach entspannter ist und man zudem noch wunderbar etwas von der Provinz Québec zu sehen bekommt. Der morgendliche Regen hatte sich auch verzogen und so konnten wir gemütlich durch die Ortschaften zuckeln. Unterwegs wurden wir zudem wieder mit einer wunderbaren Pracht an Baumfärbungen belohnt. 
Kurz vor Ottawa machten wir einen kleinen Abstecher nach Montebello, zum Omega-Park. Das Navi neigt ja dazu den kürzesten Weg rauszusuchen und schickte uns auf dem letzten Teilstück über eine zum Teil unbefestigte kurvige Straße quer durch einen prächtigen Wald. Im Winter und bei Regen möchte man die nicht fahren, aber bei dem Wetter hatte Susanne mächtig Spaß. 
Der Park ist quasi eine Safari mit einheimischen Tieren, wo man mit dem eigenen Auto durchfahren kann. Am Eingang gibt es Möhren zu kaufen, mit denen man einen Teil der Tiere füttern und so zum Auto locken konnte. Da konnte Susanne natürlich nicht widerstehen. Andrea bat anfangs dringend darum, dass die Fenster zu bleiben, Susanne wollte Fotos machen, kam also nicht in Frage. Die Tiere wissen natürlich genau, dass es in diesen lustigen Blechteilen Möhren zu ergattern gibt und so laufen sie immer elegant vor das Auto oder stellen sich in den Weg, um einen zum Halten zu zwingen. Möhren gab es nur auf der Beifahrerseite, Heike ließ ihr Fenster zu und als die erste Hirschkuh das damit quittierte, dass sie einmal ihre sabbernde Zunge quer über die Seitenscheiben zog, war Heike erstmal bedient. Es ist auch eine ziemliche Herausforderung, einfach wieder anzufahren, wenn rechts und links und vorne und hinten Wild in allen Größen ums Auto springt. Dazwischen aufgeregte Bachen mit ihren Frischlingen, neugierige Männchen, die wir aber wegen der Brunftzeit nicht füttern sollten und dann noch Gänse, die quer über den Weg latschen. In der Fahrschule lernt man klare Regeln, wie man sich zu verhalten hat, wenn Wild vors Auto rennt, die sind hier natürlich alle außer Kraft gesetzt. Nach ein paar Minuten ging es aber und Heike kutschierte uns sicher die Wege entlang. Neben Wild in allen Ausführungen gab es noch Bären, schwarze und weiße Wölfe, Polarfüchse, Bisons in verschiedenen Varianten und jede Menge Vögel. Die Biber und die Waschbären haben sich leider nicht gezeigt. Dafür aber spektakuläre Landschaft und viel buntes Laub. Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt!

Weiter ging es Richtung Hauptstadt. Lustig ist, dass auf der französischen Seite, auf der wir ja immer noch fuhren, schon eine Weile Schilder auf Gatineau hinwiesen, kein einziges jedoch auf Ottawa. Die Doppelstadt wird durch einen Fluss getrennt, die eine Seite gehört zu Québec, wo eben Gatineau liegt, die andere zu Ontario, wo Ottawa sich breit macht. Rüber über die Brücke und zack waren wir wieder in Ontario. Endlich wieder englische Schilder! Das Haus war schnell gefunden, unser Auto parkt mit kirchlichem Beistand neben der Kathedrale und wir haben festgestellt, dass es beim Ferienwohnung buchen am Küchentisch toll ist, sich immer die oberen Etagen auszusuchen - an unsere Koffer haben wir dabei nie gedacht!
Wieder mal mussten wir noch einen Supermarkt unsicher machen und sahen auf dem Weg dahin schon die ein oder andere nette Ecke. Allerdings merkt man auch auf Anhieb, dass wir wieder in einer Großstadt sind. Stadtstreicher, laute Geräusche, das Heulen der Sirenen, die üblichen Begleitumstände halt…

Der heutige Tag empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, reinstes Angeberwetter. Perfekt, um durch die Stadt zu schlendern. Wir ließen es ruhig angehen, frühstückten lange und dann zogen wir los. Da die Kathedrale quasi unser Nachbarhaus ist, fingen wir hier an. Begrüßt wurden wir mit Orgelklängen, was bei einem Besuch einer Kirche ja immer eine nette Untermalung ist. Eine prunkvolle Ausstattung, dabei aber keinesfalls überladen. Die Sonne zauberte durch die bunten Fenster ein beeindruckendes Licht im Inneren. 
Nach dem Kirchenbesuch wandten wir uns wieder weltlichen Dingen zu und gingen zum Byward Market. Die Gemüsestände verzückten uns, da hier eine unglaublich liebevolle Präsentation zu bewundern war. Auf unseren Berliner Märkten sucht man das vergebens. Abgelenkt wurden wir dann aber doch von einem Weinladen. Der erste, in dem probiert werden durfte. Was unsere Schritte auch direkt in das Geschäft lenkte. Es gab Proben eines lokalen Ciders - Apple Cinnamon. Lecker, aber zu intensiv für mehr als ein Glas. Aber der Name der Firma ließ uns jubeln, denn Growers gehört mittlerweile zu unseren Lieblingsmarken an einheimischem Cider. Und es gab im hinteren Regal noch ganz viele lustige Sorten davon. Ehe wir da aber hinkamen, sprach uns ein anderer Kunde an und hielt uns einen Adventskalender unter die Nase, den er gerade erstanden hatte. Wir fragen uns jetzt noch, wieso er der Meinung war, dass ausgerechnet uns ein Adventskalender mit Eishockeymotiv interessieren würde. Die einzige, die sichtbar was mit Eishockey anhatte war Andrea, das aber nur auf dem Rücken und den hatte sie ihm nicht zugedreht. Wir rieben uns dennoch etwas verwundert die Augen, denn dieser Adventskalender war von Lindt. Hallo! Was läuft denn bei euch schief? Wieso gibt es sowas in Deutschland nicht?! Ein freundliches Gespräch später hatten wir endlich das Cider-Regal erreicht, begutachteten die vielen Sorten und beschlossen, zum Ende des Tages hier nochmal vorbei zu kommen, um unsere Vorräte aufzustocken. Über einen kurzen Stopp am Maple Syrup Stand, ging es dann endlich in die Byward Market Halle. Der erste Laden empfing uns mit kanadischem Sortiment, aber inzwischen sind wir wählerisch geworden. Irgendwie waren wir alle 3 von der geringen Größe der Halle enttäuscht. Wir hatten sie uns nach dem Studium diverser Reiseführer sehr viel größer vorgestellt. Aber schön war es auf jeden Fall. Genauso, wie die kleinen Straßen ringsum. Lauter kleine Häuschen, umringt allerdings von Hochhäusern. Nur mit kleinen Bauten kriegt man halt auch nicht alle Menschen unter.
Der nächste Weg führte uns ins Rideau Center. An keinem Ort waren und werden alle Shops so gebündelt sein, die auf unserer To-Do-Liste stehen. Allerdings hielt sich die Ausbeute dann doch in Grenzen. Nicht soooo schlimm. 
Am frühen Nachmittag war es Zeit endlich eine weitere kanadische Spezialität zu probieren - Beaver Tails. Ihren Namen verdankt sie ihrem Aussehen, denn sie erinnert an einen Biberschwanz. Man kann sie süß, aber auch in herzhafter Variante probieren. Wir entschieden uns für die klassische mit Zucker und Zimt und dann noch für eine mit Haselnusscreme und Bananenscheiben. Lecker! Toll auch die bequemen Stühle, die überall herumstehen, aus denen man allerdings sehr schwer wieder herauskommt, wenn man erstmal drin sitzt. Aber hilft ja nix, wir mussten schließlich noch Cider kaufen, Susanne wollte zu Starbucks, da es neuerdings dann doch auch eine Ottawa-Tasse gibt (wär doch nicht nötig gewesen) und zum Supermarkt mussten wir auch nochmal, da wir gestern nur das nötigste gekauft hatten. Für den einen Abend entschieden wir, Chickenwings mit Coleslaw zu machen. Man sollte meinen, dass es in einem nordamerikanischen Supermarkt nicht schwierig ist, Coleslaw zu finden. Denkste… Susanne war auf der Suche, während am anderen Ende Andrea mit der Steuerung des Wagens kämpfte und prompt einen großen Stapel Kartons touchierte. Wie bei einem Verkehrsunfall wusste sie was passierte, konnte aber nur noch zusehen, wie die Kisten reihenweise zu Boden gingen. Während Andrea noch fasziniert auf das Chaos blickte, zog Heike sie geistesgegenwärtig in den nächstbesten Gang, um schleunigst diese Ecke des Supermarkts zu verlassen.
Als Susanne wieder auf die beiden traf, gackerten die wie blöde und verkündeten, dass sie den hinteren Teil des Supermarktes nicht mehr betreten konnten. Nach der Schilderung, was passiert war, bedankte sich Andrea nochmal bei Heike für die Rettung. Deren Kommentar war nur trocken: „Du wärst doch da stehen geblieben und hättest geglotzt, wie ein Monchichi.“
Zum Glück hatten wir den Coleslaw gefunden und konnten den Supermarkt schleunigst verlassen, bevor das Überwachungsvideo analysiert werden konnte. ;-) Nix wie weg hier!

Fazit des ersten Tages Ottawa: die Stadt ist wirklich schön, aber auch wirklich klein. Alle, die uns im Vorfeld gesagt haben, dass sie nicht so rasant viel zu bieten hat, hatten dann wohl doch Recht. Aber da auch für morgen Kaiserwetter angekündigt ist, werden wir einfach weiter durch die Straßen schlendern und natürlich noch die Sehenswürdigkeiten anpeilen, die wir heute noch nicht gesehen haben.