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Dienstag, 15. Oktober 2019

Freudentanz im Liquor Store

Aber der Reihe nach…
Es war in der Urlaubszeit auch mal nett, das Frühstück serviert zu bekommen und wir genossen es. Und Susanne kam sehr erstaunt von ihrer morgendlichen Zigarette wieder hinein. Denn, obwohl die Wasserfälle ungefähr eine halbe Stunde Fußweg von unserer Unterkunft entfernt waren, war das Rauschen auch dort noch laut und deutlich zu hören. Ohne weitere Verzögerung fuhren wir rüber in das schöne Örtchen Niagara-on-the-Lake. Da wir noch vor Öffnung der Läden dort waren, schlenderten wir ein wenig die hübsche Hauptstraße entlang. Punkt 10 standen wir dann vor dem örtlichen Weihnachtsladen, der uns schon hinlänglichst empfohlen wurde. 
Schöne Dinge, die auch wir erprobten Weihnachtsfans zum Teil noch nicht gesehen hatten. Aber trotz allem blieb die ganz große Attacke auf unsere Geldbörsen aus. Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die Straßen und stöberten durch die wirklich entzückenden Geschäfte. Dann fiel uns ein, dass es Sonntag war und wir noch ein paar Dinge einkaufen sollten.Wir brauchten Abendessen, Milch für den Kaffee und natürlich Cider. Erste Anlaufstelle war der Liquor Store. Erste Überraschung, der Cider stand im begehbaren Kühler- absolutes Highlight: es gab hier endlich wieder unseren Lieblingscider!! Also nicht nur irgendein Cider von Growers, nein unsere absolute Lieblingssorte, der wir bereits seit Kingston (was so ziemlich der Anfang unserer Reise war) hinterher liefen. Jubel und Freudentanz waren eins (hoffentlich war die Überwachungskamera nur eine Attrappe) und dann wurde überlegt, wie viele wir mitnehmen. Nach jetzigem Stand haben wir unseren Durst unterschätzt. 
Nach knapp 3 Stunden fuhren wir weiter. Nicht weit allerdings. Wir hatten entdeckt, dass das Weingut von Wayne Gretzky nur knapp 10 Minuten entfernt war und auf unserem Weg lag. Also hielten wir auch hier für einen kurzen Zwischenstopp. Ein hübsches Anwesen hat „The Great One“ dort hingebaut, wo einst das Weingut seiner Großeltern lag. Man kann natürlich alle möglichen Führungen und Verkostungen machen, die wir aus Gründen ignorierten. Im Inneren des Gebäudes gibt es jede Menge Bilder, Schautafeln und Ausstellungsstücke, die die außerordentliche Karriere eines der besten Eishockeyspieler aller Zeiten beleuchten. Und der kleine künstlich angelegte Teich im Garten hat nicht nur zufällig die Form einer Eishockeyeisfläche, im Winter wird er eben als solche genutzt. In den Shops gab es natürlich die Weine und anderen Alkoholika zu kaufen. Aber logischerweise wissen sie auch darüber hinaus mit der Nummer 99 Geld zu machen. Kein netter Laden, nein. Gar kein netter Laden. Doch Kontostand und Koffergewicht machen uns ja zum Glück immer häufiger einen Strich durch die Rechnung. Kleinigkeiten müssen als Erinnerung reichen.
Dann ging es zurück ins Auto und nach Toronto, der letzten Station unserer Reise. Apartment finden, ausladen und Wagen wegbringen. Ach ja… und einen Supermarkt finden. Heike und Susanne kennen sich seit Sonntag Nachmittag bestens aus in der Gegend rund um unsere Wohnung. Der restliche Abend stand im Zeichen der Aktion: alles mal auspacken, sichten und vorpacken. Oder auch von A nach B und wieder zurück packen. Machen wir vermutlich noch drei Mal bis Mittwoch früh. Nach allen anderen Stationen ist Toronto der Einstieg zurück in die Realität. Großstadt halt.

Der heutige Tag begann mit einem Besuch der Hockey Hall of Fame. Nicht umsonst nennen sie dieses Gebäude „Tempel“. Kanada ist Eishockey - Eishockey ist Kanada. Das, was wir in den drei Wochen an allen Ecken und Enden gesehen und gespürt haben, manifestiert sich in dieser Ruhmeshalle. Einmal Eintritt gezahlt, kann man den ganzen Tag rein- und rausspazieren soviel man möchte. Schon cool. Ausgiebig erkundeten wir Raum für Raum und staunten und bewunderten immer wieder die Bandbreite der Ausstellungsstücke. Schläger, Pucks, Ausrüstungsgegenstände, okay… aber es gab auch schnell auf Hotelpapier geschriebene Verträge, Sammelkrams in allen Varianten, den Nachbau der Umkleidekabine der Canadians, ein Stück der alten Sitzplatztribüne des alten Maple Leafs Garden. Selbst die berühmten Hockeyfilme hatten ihre eigene Vitrine. Neben den ganzen Ausstellungsstücken, kann man aber auch selbst aktiv werden und sich je nach gusto als Goalie oder Penaltyschütze versuchen.
Herzstück ist natürlich die große Halle, in der die Mitglieder der Hall of Fame und sämtliche Trophys präsentiert werden, die es so gibt. Im Mittelpunkt logischerweise die älteste Sporttrophäe der Welt, der Stanley Cup himself. Ein kleines Paradies für Eishockeyfans. Geschickt sind sie ja immer in diesen Museen, der Ausgang führt immer durch den Shop. Immer! Mööf. Naaaaa gut.
Anschließend brauchten wir ganz dringend einen Kaffee und einen unserer geliebten Honey Cruller. Wie praktisch, dass dieser Tim Hortons eine Filiale gleich neben der Hall of Fame hat. Dann hieß es warten, denn Susanne hatte ein Date mit Bruno Gervais, einem ehemaligen Verteidiger der Eisbären. Dafür, dass er sich verspätet und eigentlich nicht viel Zeit hatte, hatte er dann doch überraschend viel Zeit und war extrem neugierig und redselig. Schön wars.
Alle Läden, inklusive Supermarkt, die wir dann noch ansteuern wollten, nahmen Thanksgiving als Feiertag ernst und hatten geschlossen. Gut, dann halt morgen. 
So hatten wir Zeit für eine kurze Pause in unserer Unterkunft, eh wir zum CN-Tower aufbrachen. Auf dem Weg checkten wir im Intercontinental-Hotel kurz die Möglichkeit ab, unser Gepäck am Mittwoch dort unterzustellen. Es gibt nämlich seit 9/11 keine Gepäckfächer mehr in den Bahnhöfen und die Dienstleister, die Gepäckaufbewahrung anbieten, nehmen gesalzene Preise. Gegen einen überschaubaren Obulus kann man im Interconti auch als Nicht-Gast seine Sachen unterstellen. Diesen Service werden wir dann wohl in Anspruch nehmen.
Der CN-Tower war gleich um die Ecke und da wollten wir hoch. Wir hatten die frühen Abendstunden gut gewählt, denn unten am Einlaß war recht wenig los. Oben merkte man zwar, dass es kurz vor Sonnenuntergang war, denn auf der einen Seite der Aussichtsplattform tummelten sich reichlich Leute. In 58 Sekunden hatte der Fahrstuhl uns auf 346 Meter gebracht, wo sich uns ein spektakulärer Blick auf die Stadt bot. Die untergehende Sonne tauchte alles in ein tolles Licht, was es zum fotografieren allerdings nicht so einfach machte. Aber die Sicht war toll.
Ein Stockwerk darunter gab es auch einen Glasboden, der den Blick direkt in die Tiefe lieferte. Nur Andrea war mutig genug diesen zu betreten, die anderen beiden verzichteten dankend. Dann ging es noch einmal auf die untere Aussichtsplattform, diesmal an der frischen Luft, was eine recht windige Angelegenheit war. Beeindruckt beobachteten wir auf dem City Airport die Starts und Landungen der Flugzeuge, was aufgrund der kurzen Start- und Landebahn recht spektakulär aussah. Nachdem wir den Blick in alle Richtungen ausgiebig genossen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Da Montag in Kanada Thanksgiving war und wir uns sowieso ein Abschluss-Abendessen gönnen wollten, hatten wir uns einen Tisch im Wayne Gretzky’s reserviert. Konsequent - schließlich verfolgt uns die Nummer 99 ja schon die ganze Zeit. Eine Sportsbar, in der es von Ausstellungsstücken nur so wimmelt und die lecker Burger anbietet. Mit gut gefüllten Bäuchen machten wir uns auf den Heimweg und ließen den Abend mit einem Cider ausklingen.

Samstag, 5. Oktober 2019

Québec - klein, aber oho!

Uns erwartete strahlend blauer Himmel als wir den Tag mit einem Ausflug zum Montmorency Wasserfall starteten. Dieser liegt direkt oberhalb von Québec und ist mit 83 Metern Tiefe schon sehr beeindruckend und 30 Meter höher als die Niagara Fälle. Praktischerweise fährt ein Linienbus direkt dorthin. Die Landschaft, in die der Wasserfall eingebettet ist, bot einen fantastischen Anblick, so dass wir aus dem Fotografieren gar nicht mehr rauskamen. Wir hatten etwas mehr rote Bäume erwartet, aber wir wollen mal nicht pingelig sein, das hatte schon sehr viel schönes. Alles wurde aus allen möglichen Winkeln festgehalten. Natürlich genossen wir den Anblick auch ohne Kamera vor dem Auge zur Genüge. Wir spazierten ein wenig durch die Gegend, Susanne traute sich sogar auf die Hängebrücke, die über dem Wasserfall verläuft. Wie immer gab es bei solchen Orten natürlich einen Shop, den wir ausführlich erkundeten. Dann ging‘s zurück in die Stadt, wo wir noch durch die obere Altstadt bummeln wollten.
Quebec wurde 1608 als kleiner Handelsposten gegründet und war heiß umkämpft. Engländer und Franzosen stellten gleichermaßen Ansprüche, doch die Franzosen gewannen bekanntermaßen. Was man der Stadt an jeder Ecke anmerkt. Man fühlt sich nicht wie in Nordamerika, sondern wie in Frankreich. Es gibt hier jede Menge kleine, alte Häuser in verwinkelten Gassen. Entzückend! Jeder Laden hat passende Metallschildchen hängen und viele Geschäfte haben sich zur Halloweenzeit unglaublich toll geschmückt. Zur Weihnachtszeit hier zu sein würde uns wohl sämtliche Nerven kosten. Wir kamen mit all den Kürbissen und dem Halloweenzeug aus dem Quietschen ja jetzt schon nicht raus.
Gleich der erste Laden war ein Sportgeschäft mit dem „Untertitel“ Hockey Zone. Zack, waren wir drin. Und mit Tüten wieder draußen. In den zahlreichen Souvenirgeschäften wartete dann natürlich auch wieder die eine oder andere Attacke auf unsere Geldbörsen. Hockey, Eisbären und Ahornblätter kann man in unglaublichen Varianten verarbeiten. Überhaupt… dieses Eishockey. Québec hat seit 1995 kein bedeutendes Team mehr, seit der damalige NHL-Club Nordiques de Québec zu den Colorado Avalanche wurden. Trotzdem wird man an jeder Ecke mit Eishockeykram erschlagen, dazwischen auch noch sehr viel Merch des ehemaligen NHL-Clubs. Ach ja… eine schnelle Zählung in einem Zeitschriftenladen ergab übrigens die Zahl von 6 verschiedenen Eishockeymagazinen.
Unsere kleine Verschnaufpause wollten wir bei Tim Hortons und einem leckeren French Vanilla Kaffee begehen, allerdings war die Maschine kaputt und so mussten wir gezwungenermaßen in einem Pub einkehren, wo es dann anstelle von Kaffee eben einen Cider gab. So ein Ärger aber auch. :-)
Unser nächstes Ziel war das Château Frontenac, ein Luxushotel, welches über der Stadt thront. Gelegen an einer breiten Terrasse oberhalb des St. Lorenz-Stroms hat man einen phantastischen Blick über das Wasser, die Altstadt unterhalb, die Gegend ringsum und überhaupt. Das ganze in ein wunderschönes Abendlicht getaucht… bisschen kitschig ist das schon, aber schööööön! Am Ende der Dufferin Terrassen führte eine Treppe hoch zur Zitadelle. 310 Stufen wollten wir uns allerdings nicht geben, stattdessen bewunderten wir die fest installierte „Glissades“ - eine Rodelbahn, die dort seit 1884 existiert und im Winter für viel Spaß sorgt. Auf dem Weg zurück zum Bus sortierten wir unsere Pläne für den nächsten Tag und stellten auf Höhe des Château fest, dass wir sehr wohl im 5-Sterne-Hotel mal eben edel auf Toilette gehen können. War ganz nett, aber bisher kommt nichts an die Toiletten im Savoy in London heran.
Huch, auch hier im Château gibt es Shops- also nichts wie rein. Verfolgt wie wir sind, gab es auch hier Vintage Hockey Merchandise. In einer Ecke fanden wir zwei auf alt getrimmte Holzhockeyschläger, die aussahen wie Deko. Bei genauerer Betrachtung sahen wir deren Nutzen und das Preisschild. Nutzung super - war nämlich ne Garderobe. Preisschild war auch okay. Auch beim Schreiben dieser Zeilen gerät Sanne immer noch ins Schwärmen -  passt nur leider nicht in den Koffer. Und die Frage: wohin damit in der Wohnung ist auch noch nicht geklärt. Zehn Seufzer später konnte Sanne sich endlich lösen, das Shirt, was Andrea gefiel, gab es nicht in der passenden Größe… naaa gut, dann kauften wir halt nix. Auf dem Weg zum Bus gab es ja aber noch den Weihnachtsladen. Ganzjährig geöffnet. In Montréal hatten wir ja schon das Vergnügen, aber das heißt ja nicht, dass wir hier nicht rein mussten. Wir sind ja wahre Weihnachtsfreaks und haben schon viel gesehen, aber hier gibt es dann doch Kram, den wir noch nicht kennen. Die Nummer mit den Eisbären und dem Eishockey erwähnen wir jetzt mal nicht… Wenn wir an den Punkt kommen,dass wir was mit Eishockey wieder ins Regal stellen, weil es irgendwie langweilig aussieht... wisst ihr Bescheid! Es reichte dann auch für den ersten Tag und wir fuhren zurück in unsere Ferienwohnung. Erwähnen wollen wir aber noch, dass ab Ende September bis Ende Oktober viele bedeutende Gebäude in pinkes Licht getaucht sind, zu Ehren des Kampfes gegen Brustkrebs. Toll!

„Hm, mal gucken. Die untere Altstadt ist ja nicht so groß,“ sagte Andrea, als wir am Morgen aufbrachen. Dazu später mehr!
Zunächst führte uns unser Weg zur Zitadelle. Von der Stadt-Seite aus muss man nämlich keine 310 Stufen rauf klettern. Von da oben hat man einen hübschen Überblick über die Stadt und den Fluss und der Himmel machte einen auf Drama. Kann man mal machen. Die Treppe nahmen wir dann nach unten, um wieder auf der Ebene des Château anzukommen. Aber das Ziel war die Altstadt von Québec, die sich noch eine Ebene darunter befindet. Man kann mit der Funiculaire, einer kleinen Standseilbahn die kurze Strecke überwinden, wir aber entschieden uns für die so genannte Halsbrechertreppe. Zumindest hinab.
Zweieinhalb Gassen, auf den ersten Blick wirklich überschaubar. Allerdings bleibt man dauernd stehen, weil eine Deko schöner ist, als die nächste. Ein Haus süßer, als das nächste. Und ein Laden schnuckeliger als der nächste. Man wird im Quartier du Petit Champlain ein bisschen zum Gummiball, der unkontrolliert von links nach rechts dopst und wieder zurück. Irgendwann schafften wir es auch, die asiatischen Reisegruppen zu ignorieren, die vermutlich mittlerweile auf dem Weg zum Nordpol sind. Wobei das Lauschen bei den Reiseführern durchaus interessante Infos zu tage bringt. Zum Beispiel, dass diese kleine Straße die drittschönste der Welt ist. Wie französisch Québec ist, merkt man nicht nur am Stadtbild, sondern auch an den Sprachfähigkeiten der Bewohner. Englisch in den Grundzügen geht, aber viel mehr dann auch nicht. Trotzdem bleibt es auch hier dabei. Zuckersüß, super freundlich, einfach liebenswert!
Fünf Stunden später hatten wir die zweieinhalb Gassen dann übrigens geschafft. So viel dazu. Wir beschlossen, dass es auch okay ist, mal ein bisschen früher zurück zur Wohnung zu fahren.
Morgen heißt es schon wieder Abschied nehmen von dieser wundervollen Stadt. Dann geht es weiter nach Trois-Rivières. Kevin Poulin guckte uns übrigens sehr entgeistert an, als wir dieses Reiseziel erwähnten. „Da gibt es doch nichts,“ sagte er. Jaaaaa. Super! Wir brauchen ein wenig Ruhe zwischen all diesen Reizen. 
Ruhe, Wasser, Spaziergänge, Whirlpool… wir kommen!