Donnerstag, 3. Oktober 2019

Montréal im Regen und weiter nach Québec City

Leider präsentierte sich die Stadt am nächsten Tag unter einer schweren Wolkendecke und es regnete in einer Tour, mal mehr, mal weniger. Trotzdem machten wir uns zunächst auf den Weg zum Mont Royal, dem Haus- und Hofberg der Stadt, von dem aus man einen tollen Blick haben soll. Ob das so ist, konnten wir leider nicht herausfinden, denn am Fuße des Berges wurde klar, dass wir von oben gar nichts sehen würden, so tief hingen die Wolken.  Also sparten wir uns den Aufstieg, zumal die Bäume in Montréal auch noch nicht so weit sind, dass wenigstens die einen tollen Anblick bieten würden. Bergsteigen ohne Belohnung wollten wir dann doch nicht. Wir kehrten also um und machten uns auf den Weg Richtung Downtown, genauer gesagt zum Centre Bell, der Heimspielstätte der Montréal Canadiens, dem heimischen NHL-Team. Leider konnte man die Halle nicht besichtigen, da sich Céline Dion dort für mehrere Konzerte eingenistet hatte. Den Großteil davon hat sie abgesagt, haben wir später gelernt. Rein kam man trotzdem nicht. Aber egal. Die Halle von außen, das ganze Drumherum und natürlich der Canadiens-Shop waren trotzdem einen Abstecher wert. Da Andrea ja grundsätzlich keine Abneigung gegen die Canadiens hat und NHL-Klamotten wollte, wurde wild anprobiert und am Ende auch gekauft. Beim Bezahlen kam es wieder zum - mittlerweile obligatorischen - Gespräch Susannes mit der Kassiererin. Diese hatte mal Deutsch in der Schule, aber sie wollte genauer wissen, woher wir kommen. Deutschland, Österreich, Schweiz…. wir sprachen zu schnell, als dass sie dies hätte erkennen können. Und so kamen „wir“ wieder ins Plaudern. 

Dann mussten wir allerdings los, denn wir hatten in einer anderen Ecke der Stadt eine Verabredung mit unserem ehemaligen Torhüter Kevin Poulin. Susanne wollte ein kurzes Interview mit ihm führen und er hatte dankenswerterweise Zeit für uns. Dieser Abstecher führte uns in den Stadtteil Plateau. Sehr schön und schnuckelig, nur regnete es mittlerweile Strippen. Was das Vergnügen etwas schmälerte. Kevin war gut drauf und Susanne und er plauderten ein knappes Stündchen über ihn, Kanada im Allgemeinen und Montréal im Besonderen. Und wir tauschten Tipps aus. Wir bekamen welche für Québec, er den fürs Pumpkinferno, was seinen Jungs garantiert gut gefallen würde. Nachdem seine Frau ihn abgeholt und wir auch noch mit ihr ein wenig geplaudert hatten, wollten wir eigentlich zurück nach Downtown in die unterirdische Stadt. Zwischen uns und dem U-Bahnhof war aber ein Sportladen. Sowas können wir natürlich nicht ignorieren. Noch mehr Canadiens-Shirts für Andrea (guuut, auch ein Maple Leafs Shirt durfte mit), aber auch Team Canada-Pullis für Heike und Susanne waren die Ausbeute.

Mittlerweile regnete es nicht mehr nur Strippen, sondern es goß in Strömen. Spätestens jetzt wissen wir, dass unsere Schuhe und Jacken nicht mehr für Starkregen geeignet sind. Die Lederschuhe von Sanne und Andrea trocknen immer noch vor sich hin.
Trotzdem schafften wir es zurück zur Metro und fuhren endlich doch zu der unterirdischen Stadt. Zur Erklärung: unter der Innenstadt von Montréal gibt es ein weit verzweigtes Netz, welches Bürohäuser und U-Bahnstationen miteinander verbindet und in dem es von Läden nur so wimmelt. Bei gemittelt Minus 20 Grad im Winter hat es der Montréaler dann lieber trocken und warm. Klang für uns super faszinierend, doch schon nach 5 Minuten waren wir extrem genervt. Das ist sicher toll, wenn man sich da unten auskennt. Wenn nicht, ist man sehr schnell verloren. 
Erschwerend kam hinzu, dass wir einen speziellen Sportladen gesucht haben, diesen unten suchten, er sich aber oberirdisch befand. Wie gesagt, wir hatten sehr schnell die Faxen von diesem unterirdischen Einkaufscenter dicke. Zumal uns langsam Schwimmhäute zwischen den Zehen wuchsen. Also ab in die Metro und zurück in die Unterkunft. Kurze Pause, einmal trockenlegen und dann mussten wir auch schon wieder los. Leider regnete es immer noch bzw. tobte über uns gerade das Gewitter und wir hatten 15 Minuten Fußweg vor uns. Aber es half nichts. Wir hatten Tickets für Aura, einem Multimediaspektakel in der Notre-Dame Basilica. Die Show war die nassen Füße aber wirklich wert. Eine tolle Kirche (auch, wenn uns die Jahreszahlen der Erbauung als Europäer wieder nur ein müdes Lächeln entlocken) und eine schöne Mischung aus Musik und Lichtprojektionen. Aber leider war auch dieser Spaß irgendwann vorbei und draußen regnete es immer noch. Unser Hunger führte uns wieder zurück in den Stadtteil Plateau. Hier sollte es die beste Poutine der Stadt geben. Nach einem etwas längeren Fußmarsch fanden wir uns dann in einer langen Schlange von Leuten wieder, die ebenfalls in das Restaurant wollten. Also stellten wir uns brav an. Wir müssen nicht mehr erwähnen, dass es immer noch regnete….
Eine knappe halbe Stunde später wurden wir dann doch schon platziert. Wie gut, dass Andrea noch ein bisschen Bargeld dabei hatte, denn erst drinnen wurde man darauf hingewiesen, dass keine Kreditkarten akzeptiert werden. Die Poutine war wirklich extrem lecker, aber natürlich auch viel zu viel. Keine von uns dreien hat ihre Portion geschafft. 
Den Heimweg konnten wir dann bereits ohne Regenschirm antreten. Sensationell quasi. Hierbei machten wir übrigens die Erfahrung, dass selbst die Stadtstreicher und Schnorrer extrem freundlich sind. Auch, wenn sie nix bekommen.

Den heutigen Morgen konnten wir entspannt angehen, denn wir mussten erst um 12 Uhr aus dem Apartment heraus und vor 15 Uhr konnten wir in Québec nicht rein. Das Navi verriet uns, dass wir auf der Landstraße doppelt so lange brauchen würden. Das braucht ja auch kein Mensch, also hieß es diesmal Highway fahren. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, dass die Trucks sich genauso benehmen wie die Autos, geht das sogar. Trotzdem werden wir weiter die Landstraße bevorzugen, wenn es geht. Es ist einfach entspannter und schöner. Auf dem Weg sahen wir sehr schnell, dass die Bäume immer bunter wurden, je weiter wir nach Norden kamen. Sensationell und genau das, worauf wir gehofft hatten. Nach einem Tim Horton‘s-Zwischenstopp, bei dem sich wieder mal ein lustiges Gespräch zwischen Susanne und dem Mitarbeiter entwickelte, hatte Heike die Faxen dicke und Susanne übernahm das Steuer. Dabei gab es auf dem Highway gar keine Stoppschilder. Rein nach Québec war es eine Stopp and Go-Schlacht dank mehrerer Baustellen und jeder Menge Feierabendverkehr, aber wir fanden unsere Ferienwohnung ohne größere Probleme.
Nach diesem wundervollen Apartment in Montréal müssen wir hier einige Abstriche machen, aber dafür wird uns sicherlich die Stadt entschädigen. Einen Kaffee später machten wir uns daran, die Umgebung ein wenig zu erkunden. Wir brauchten einen Supermarkt und guckten bei der Gelegenheit auch gleich, wo der Bus fährt, den wir morgen brauchen. Da sich ein Starbucks aufdrängte, erledigte Susanne gleich ihren Tassenkauf. Bei dem netten Gespräch mit dem Verkäufer erkundete sie dann auch noch, wie wir morgen an die Busfahrkarten kommen. 
Übrigens nieselte es hier auch ziemlich, als wir ankamen. Aber morgen soll das vorbei sein. Besser ist auch!

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