Posts mit dem Label Toronto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Toronto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Auf der Zielgeraden

Da sämtliche Läden, die wir Montag besuchen wollten, ja nicht mit uns gespielt haben, mussten wir die kurze Rundreise dann halt Dienstag nachholen. Wobei die beiden Leafs-Shops eher etwas Enttäuschung auslösten. Auf jeden Fall bei Susanne, denn die Auswahl an schönen Männerklamotten war sehr übersichtlich und vor allem sehr winterlich. Immer wieder stellen wir fest, dass es online im NHL-Shop eine deutlich bessere Auswahl an Klamotten gibt. Naja… macht nix. Spart Geld und Gewicht im Koffer. Aber einen tollen Supermarkt haben wir entdeckt, wo wir die noch fehlenden Bestandteile für unser letztes Abendessen in Kanada einkaufen konnten. Lediglich die Navigation durch diesen Markt war etwas verwirrend. Mal stand man mit den Einkäufen innerhalb, aber ganz schnell war man auch raus aus dem Kassenbereich. Ohne bezahlt zu haben, versteht sich. Also huschten wir schnell wieder in den Supermarkt rein und zahlten ordnungsgemäß.
Schnell die Sachen in der Wohnung abgeworfen, ging es anschließend in eine Richtung, die wir noch nicht kannten. Wir wollten zum St. Lawrence Market und zum Distillery District. 
Der Markt war wirklich fein mit jeder Menge feinster Delikatessen. Aber das Beste versteckte sich im Untergeschoss. Ein kleiner Souvenirladen in dem Heike und Sanne dann endlich ihre Kanadataschen kaufen konnten. Dies war wirklich bis zu diesem Tag ein schwieriges Unterfangen gewesen, da es nirgends welche gab. Und wenn dann doch mal ein oder zwei Exemplare rumhingen, dann waren sie nicht wirklich schön. Man sollte doch wirklich meinen, dass jeder Souvenirshop sowas hat! Aber Heike hat immer gesagt, dass sie die Hoffnung erst aufgibt, wenn sie im Flieger sitzt. Sollte sie Recht behalten.

Weiter ging es zum Distillery District - früher war hier eine große Whiskybrennerei untergebracht, doch jetzt ist es eine Fußgängerzone mit Shops, Cafés und Galerien. Es ist die größte Ansammlung von viktorianischen Industriebauten in Nordamerika und in der Adventszeit der Schauplatz des Torontoer Weihnachtsmarktes. Da wir wunderbares Wetter hatten, machte es doppelt so viel Spaß durch dieses Viertel zu schlendern. Mindestens ebenso spaßig war es allerdings auch, die asiatischen Reisegruppen zu beobachten, die leider alle das gleiche Café wie wir ansteuerten. Vielleicht stand das ja auf der To Do-Liste? Der arme Mann hinter der Kasse war jedenfalls zunehmend genervt und schaffte es, auf unglaublich freundliche Weise unglaublich sarkastisch zu sein. Susanne hatte ihren Spaß.        
Auf der Suche nach dem Stopp für den Hop On Hop Off Bus entdeckten wir dann auch das Nest des asiatischen Trupps. 5 Reisebusse standen genau dort, wo unser Bus halten sollte. 
Zu einer Tour mit dem Hop On Hop Off Bus hatten wir uns bereits in Berlin entschieden, um die  letzten Stunden vor dem Flug noch Ecken von Toronto zu sehen, wo wir ansonsten eher nicht hingekommen wären. Da für den Abflugtag aber Regen angesagt war und das Busticket 48 Stunden gilt, hatten wir entschieden, bereits am Dienstag eine Runde damit zu fahren und alles bei Sonnenschein zu genießen. Das klappte grundsätzlich auch hervorragend, da die Tour aber aufgrund von Stau und einigen längeren Stopps ungefähr zwei Stunden dauerte, waren wir am Ende doch ziemlich durchgefroren. Da musste im Appartement erst einmal eine Runde Tee gekocht werden. Anschließend beschäftigten wir uns mit Abendesse kochen, da keine von uns so wirklich Lust hatte, ans Kofferpacken zu gehen.
Aber es half ja alles nichts, irgendwann mussten wir an diese Ungetümer ran. Schnell stellte sich raus, dass bei uns allen dreien weniger der Platz, als vielmehr das Gewicht zum Problem wird. Aber wer zur Hölle hat sich denn bitte auch ausgedacht, dass man bei einem Überseeflug nur 23 Kilo Gepäck haben darf? Irgendwann hatten wir alles verstaut, waren uns zwar wegen des Gewichtes nicht sicher, aber das musste dann final eh bis zum Flughafen warten. Die Kofferwaage von Heike scheint recht launisch zu sein, was ihre Gewichtsangaben betrifft. Also widmeten wir uns lieber dem leckeren Honeycrisp Apple Cider, ehe wir den Tag beendeten.

Der nächste Tag hielt leider wirklich das Wetter parat, welches angekündigt war. Es regnete. Mal mehr, mal weniger. Zum Glück gibt es auch in dieser Stadt ein weit verzweigtes Netz unter- und oberirdischer Verbindungswege, die es einem ermöglichen trockenen Fusses zum Ziel zu kommen. Unser Ziel war zunächst das Interconti, wo wir ja bekanntermaßen unser Gepäck loswerden konnten. Ganz so einfach ist es zwar nicht, sich im PATH (so nennt sich dieses Tunnelsystem) zurecht zu finden, aber zum Glück gibt es ja freundliche Kanadier, die einem helfen. 
Der PATH war es auch, den wir anschließend nahmen, um zum alten Rathaus zu kommen. Okay - der Weg über die Straßen wäre vermutlich doppelt so schnell gewesen, aber wir waren trocken und hatten einmal das Gewusel erlebt, was sich zur Mittagszeit im PATH abspielt. Die Menschen strömen aus ihren Bürohäusern direkt in die unterirdischen Food Courts, um sich dort ihr Mittagessen zu holen. Trocken, keine Jacke nötig und die High Heels können auch an den Füßen bleiben - faszinierend. 
Ins Rathaus warfen wir nur einen kurzen Blick, da gleich hinter der Eingangstür eine Sicherheitskontrolle wartete, auf die wir keine Lust hatten. Also schnell rüber ins Einkaufszentrum, wo Andrea noch auf der Suche nach etwas bestimmten war. Das hat sie nicht bekommen, dafür wir aber eine weitere Filiale ihres Lieblingsladens entdeckt. Wir erinnern uns? Unser Gepäck hat bereits ein kleines Gewichtsproblem. Nun gut, dass von Andrea war nun noch größer.
Danach war es Zeit für eine letzte Pause bei Tim Hortons. Anschließend wanderten wir rüber zum alten Maple Leaf Gardens - der Heimspielstätte der Leafs bis 1999, mittlerweile umgebaut zu einem Sportzentrum für die Universität. Aber man darf rein und hier und dort kann man alte Spuren sehen, die man bewusst gelassen, bzw. wieder eingebaut hat. Es gibt eine Self Guided Tour und selbst die Tatsache, dass dort gerade die große Graduiertenfeier der Universität abgehalten wurde, brachte niemanden auf die Idee, uns aufzuhalten. Sanne hatte Order von zu Hause, jede Kleinigkeit zu fotografieren, die irgendwie interessant war, was sie auch brav machte. Andrea und Heike beobachteten derweil den Einmarsch der Uni-Absolventen. Irgendwann war das letzte Foto geschossen und wir wanderten weiter zu einem Buchladen, den Sanne gerne noch besuchen wollte. Der hatte allerdings in der Beschreibung besser geklungen, als er letztlich war. Aber er bescherte uns noch einen kurzen Spaziergang durch das Schwulenviertel von Toronto.
Vollgepackt mit Eindrücken von drei Wochen und dem Wissen, dass wir mit unserem ganzen Gepäck noch zum Flughafen mussten, setzten wir uns schließlich wieder in den Hop on Hop off-Bus, um uns zum Interconti kutschieren zu lassen. Der Zug zum Flughafen fuhr zum Glück nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt, wodurch sich die Abreise als unproblematisch herausstellte. Am Flughafen checkten wir kurz das Gewicht unserer Koffer und Andrea und Sanne mussten nur minimal umpacken, um unter dem zulässigen Höchstgewicht zu bleiben. Kurz gab es Fragezeichen beim Check-in, ob Susanne dieses eine Teil wirklich mit ins Handgepäck nehmen durfte, welches sie schon seit dem ersten Tag spazieren fuhr und trug, und welches laut Andrea in den Koffer passte. Sah der Koffer anders… aber auch das durfte schließlich mit. Mittlerweile sind wir nach einem ruhigen Flug in viel zu engen Sitzen gut in Amsterdam angekommen und vertreiben uns hier die Zeit bis zur endgültigen Rückkehr nach Hause. 
Nach drei Wochen sind wir so randvoll mit Eindrücken, dass wir sicher sehr lange was davon haben werden. Toll war es! Danke für‘s mitlesen. :-)

Dienstag, 15. Oktober 2019

Freudentanz im Liquor Store

Aber der Reihe nach…
Es war in der Urlaubszeit auch mal nett, das Frühstück serviert zu bekommen und wir genossen es. Und Susanne kam sehr erstaunt von ihrer morgendlichen Zigarette wieder hinein. Denn, obwohl die Wasserfälle ungefähr eine halbe Stunde Fußweg von unserer Unterkunft entfernt waren, war das Rauschen auch dort noch laut und deutlich zu hören. Ohne weitere Verzögerung fuhren wir rüber in das schöne Örtchen Niagara-on-the-Lake. Da wir noch vor Öffnung der Läden dort waren, schlenderten wir ein wenig die hübsche Hauptstraße entlang. Punkt 10 standen wir dann vor dem örtlichen Weihnachtsladen, der uns schon hinlänglichst empfohlen wurde. 
Schöne Dinge, die auch wir erprobten Weihnachtsfans zum Teil noch nicht gesehen hatten. Aber trotz allem blieb die ganz große Attacke auf unsere Geldbörsen aus. Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die Straßen und stöberten durch die wirklich entzückenden Geschäfte. Dann fiel uns ein, dass es Sonntag war und wir noch ein paar Dinge einkaufen sollten.Wir brauchten Abendessen, Milch für den Kaffee und natürlich Cider. Erste Anlaufstelle war der Liquor Store. Erste Überraschung, der Cider stand im begehbaren Kühler- absolutes Highlight: es gab hier endlich wieder unseren Lieblingscider!! Also nicht nur irgendein Cider von Growers, nein unsere absolute Lieblingssorte, der wir bereits seit Kingston (was so ziemlich der Anfang unserer Reise war) hinterher liefen. Jubel und Freudentanz waren eins (hoffentlich war die Überwachungskamera nur eine Attrappe) und dann wurde überlegt, wie viele wir mitnehmen. Nach jetzigem Stand haben wir unseren Durst unterschätzt. 
Nach knapp 3 Stunden fuhren wir weiter. Nicht weit allerdings. Wir hatten entdeckt, dass das Weingut von Wayne Gretzky nur knapp 10 Minuten entfernt war und auf unserem Weg lag. Also hielten wir auch hier für einen kurzen Zwischenstopp. Ein hübsches Anwesen hat „The Great One“ dort hingebaut, wo einst das Weingut seiner Großeltern lag. Man kann natürlich alle möglichen Führungen und Verkostungen machen, die wir aus Gründen ignorierten. Im Inneren des Gebäudes gibt es jede Menge Bilder, Schautafeln und Ausstellungsstücke, die die außerordentliche Karriere eines der besten Eishockeyspieler aller Zeiten beleuchten. Und der kleine künstlich angelegte Teich im Garten hat nicht nur zufällig die Form einer Eishockeyeisfläche, im Winter wird er eben als solche genutzt. In den Shops gab es natürlich die Weine und anderen Alkoholika zu kaufen. Aber logischerweise wissen sie auch darüber hinaus mit der Nummer 99 Geld zu machen. Kein netter Laden, nein. Gar kein netter Laden. Doch Kontostand und Koffergewicht machen uns ja zum Glück immer häufiger einen Strich durch die Rechnung. Kleinigkeiten müssen als Erinnerung reichen.
Dann ging es zurück ins Auto und nach Toronto, der letzten Station unserer Reise. Apartment finden, ausladen und Wagen wegbringen. Ach ja… und einen Supermarkt finden. Heike und Susanne kennen sich seit Sonntag Nachmittag bestens aus in der Gegend rund um unsere Wohnung. Der restliche Abend stand im Zeichen der Aktion: alles mal auspacken, sichten und vorpacken. Oder auch von A nach B und wieder zurück packen. Machen wir vermutlich noch drei Mal bis Mittwoch früh. Nach allen anderen Stationen ist Toronto der Einstieg zurück in die Realität. Großstadt halt.

Der heutige Tag begann mit einem Besuch der Hockey Hall of Fame. Nicht umsonst nennen sie dieses Gebäude „Tempel“. Kanada ist Eishockey - Eishockey ist Kanada. Das, was wir in den drei Wochen an allen Ecken und Enden gesehen und gespürt haben, manifestiert sich in dieser Ruhmeshalle. Einmal Eintritt gezahlt, kann man den ganzen Tag rein- und rausspazieren soviel man möchte. Schon cool. Ausgiebig erkundeten wir Raum für Raum und staunten und bewunderten immer wieder die Bandbreite der Ausstellungsstücke. Schläger, Pucks, Ausrüstungsgegenstände, okay… aber es gab auch schnell auf Hotelpapier geschriebene Verträge, Sammelkrams in allen Varianten, den Nachbau der Umkleidekabine der Canadians, ein Stück der alten Sitzplatztribüne des alten Maple Leafs Garden. Selbst die berühmten Hockeyfilme hatten ihre eigene Vitrine. Neben den ganzen Ausstellungsstücken, kann man aber auch selbst aktiv werden und sich je nach gusto als Goalie oder Penaltyschütze versuchen.
Herzstück ist natürlich die große Halle, in der die Mitglieder der Hall of Fame und sämtliche Trophys präsentiert werden, die es so gibt. Im Mittelpunkt logischerweise die älteste Sporttrophäe der Welt, der Stanley Cup himself. Ein kleines Paradies für Eishockeyfans. Geschickt sind sie ja immer in diesen Museen, der Ausgang führt immer durch den Shop. Immer! Mööf. Naaaaa gut.
Anschließend brauchten wir ganz dringend einen Kaffee und einen unserer geliebten Honey Cruller. Wie praktisch, dass dieser Tim Hortons eine Filiale gleich neben der Hall of Fame hat. Dann hieß es warten, denn Susanne hatte ein Date mit Bruno Gervais, einem ehemaligen Verteidiger der Eisbären. Dafür, dass er sich verspätet und eigentlich nicht viel Zeit hatte, hatte er dann doch überraschend viel Zeit und war extrem neugierig und redselig. Schön wars.
Alle Läden, inklusive Supermarkt, die wir dann noch ansteuern wollten, nahmen Thanksgiving als Feiertag ernst und hatten geschlossen. Gut, dann halt morgen. 
So hatten wir Zeit für eine kurze Pause in unserer Unterkunft, eh wir zum CN-Tower aufbrachen. Auf dem Weg checkten wir im Intercontinental-Hotel kurz die Möglichkeit ab, unser Gepäck am Mittwoch dort unterzustellen. Es gibt nämlich seit 9/11 keine Gepäckfächer mehr in den Bahnhöfen und die Dienstleister, die Gepäckaufbewahrung anbieten, nehmen gesalzene Preise. Gegen einen überschaubaren Obulus kann man im Interconti auch als Nicht-Gast seine Sachen unterstellen. Diesen Service werden wir dann wohl in Anspruch nehmen.
Der CN-Tower war gleich um die Ecke und da wollten wir hoch. Wir hatten die frühen Abendstunden gut gewählt, denn unten am Einlaß war recht wenig los. Oben merkte man zwar, dass es kurz vor Sonnenuntergang war, denn auf der einen Seite der Aussichtsplattform tummelten sich reichlich Leute. In 58 Sekunden hatte der Fahrstuhl uns auf 346 Meter gebracht, wo sich uns ein spektakulärer Blick auf die Stadt bot. Die untergehende Sonne tauchte alles in ein tolles Licht, was es zum fotografieren allerdings nicht so einfach machte. Aber die Sicht war toll.
Ein Stockwerk darunter gab es auch einen Glasboden, der den Blick direkt in die Tiefe lieferte. Nur Andrea war mutig genug diesen zu betreten, die anderen beiden verzichteten dankend. Dann ging es noch einmal auf die untere Aussichtsplattform, diesmal an der frischen Luft, was eine recht windige Angelegenheit war. Beeindruckt beobachteten wir auf dem City Airport die Starts und Landungen der Flugzeuge, was aufgrund der kurzen Start- und Landebahn recht spektakulär aussah. Nachdem wir den Blick in alle Richtungen ausgiebig genossen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Da Montag in Kanada Thanksgiving war und wir uns sowieso ein Abschluss-Abendessen gönnen wollten, hatten wir uns einen Tisch im Wayne Gretzky’s reserviert. Konsequent - schließlich verfolgt uns die Nummer 99 ja schon die ganze Zeit. Eine Sportsbar, in der es von Ausstellungsstücken nur so wimmelt und die lecker Burger anbietet. Mit gut gefüllten Bäuchen machten wir uns auf den Heimweg und ließen den Abend mit einem Cider ausklingen.

Freitag, 27. September 2019

24 Stunden Kanada und viele Erkenntnisse

Nach einem ruhigen Flug haben wir gestern gegen 11.45 Uhr Ortszeit kanadischen Boden betreten. Die Einreise war das entspannteste, was die Weltenbummlerin Susanne je erlebt hat. Nachdem wir an einem Automaten einige Fragen beantwortet haben, wollte der Grenzbeamte nur noch wissen, was wir denn während unseres Aufenthaltes in Kanada vor haben. Nach der Antwort: „Wir machen eine Rundreise.“, wünschte er uns viel Spaß und mahnte uns vorsichtig zu fahren - zack waren wir drin.

Die nächste Herausforderung wartete an der Ticketmaschine für die öffentlichen Verkehrsmittel und das war schwieriger als die Einreise! Welches Ticket brauchen wir? Wieso klappt das mit der Kreditkarte nicht? Doch schließlich haben wir gewonnen, die Tickets gezogen, den Bus gefunden und waren schließlich auf dem Weg nach Toronto. Als Susanne dann auch noch zwischendrin geklärt hatte, dass das Ticket wirklich für die ganze Fahrt gilt, konnten wir beruhigt bis zu unserem Hotel fahren. Es gab nur einen kurzen Zwischenstopp, inklusive unserem ersten kanadischen Cider, dann haben wir uns auch schon wieder auf den Weg gemacht, denn Abends stand ja Eishockey auf dem Programm. Auf dem Weg zur Halle haben wir noch einen Abstecher zum kanadischen Walk of Fame gemacht, in dem nicht nur Schauspieler geehrt werden, sondern u.a  auch erfolgreiche Sportler, darunter natürlich viele Eishockeyspieler. Je näher wir der Scotiabank Arena kamen, desto größer würde die Dichte an Hockey Trikots der Leafs und der Habs, aber offenbar hatten auch die Jays an dem Abend ein Baseballspiel, davon haben wir nämlich auch jede Menge Fans gesehen. Die Halle ist extrem zentral gelegen, aber so eingebaut, dass man wirklich wissen muss, wo man hin will. Oder man folgt einfach den vielen Trikots. Für ein Vorbereitungsspiel war verdammt viel los, am Einlaß war schon frühzeitig eine Schlange, als würde es darauf ankommen, als erster drinnen zu sein, um gute Plätze zu bekommen. In der Arena merkt man, wie wichtig Essen und Trinken in der NHL sind. Es gibt unzählige unterschiedliche Stände, die reichlich belagert wurden. Und bei den Preisen (13 Dollar für ein Bier, 20 für zwei Stück Pizza mit Softdrink) fragt man sich, wie viel Geld der ein oder andere an so einem Abend in der Halle ausgibt. Wir haben jedenfalls dankend verzichtet, Susanne hat stattdessen lieber Geld für Leafs-Merch ausgegeben. Gab aber ja auch 30% Rabatt auf alles, außer Tier… ach nein, Trikots. Leider! Als wir auf unsere Plätze kamen, lief das Warm-up noch und zu unserer Freude  war kein B-Team auf dem Eis, sondern alle Stars, die Toronto so zu bieten hat. Nachdem der Orgelspieler und der DJ vorgestellt waren und das übliche Entertainmentprogramm vor so einem Spiel erledigt war, durfte dann auch endlich das Team aufs Eis. Das kanadische Publikum sang inbrünstig die Nationalhymne mit und nachdem eine große kanadische und die Leafsflagge durchs Rund wanderte, ging es endlich los. Die Leafs waren von der ersten Sekunde an deutlich besser im Spiel und so dauerte es auch nicht lang, bis wir das erste Mal das Horn hören durften. So ging es auch munter weiter und die Leafs haben 3:0 gewonnen. Die Pausen haben wir genutzt, um die Halle komplett zu erkunden. Interessant zu sehen, aber wirklich ein bisschen eine andere Welt. Für Andrea und Susanne war allerdings der Vergleich zu den amerikanischen NHL-Spielen interessant. Das Rahmenprogramm ist das gleiche, und das Publikum ist genauso schmerzfrei, sobald die Kamera auf sie gerichtet ist. Aber es wird schon deutlich, dass man hier einfach extrem viel Ahnung von dem Sport hat. 
Da uns die Preise in der Arena ja zu hoch waren, gingen wir nach dem Spiel auf die  Suche nach etwas Essbarem. Leider hatte die Küche bei Tim Hortons zu unserem Entsetzen schon zu, doch schließlich fanden wir die Filiale einer kanadischen Pizzakette und kriegten so noch etwas in den Magen. 

Die Nacht war insgesamt etwas unruhig , wie immer wenn man lange über der Zeit wach war und dann noch die Zeitverschiebung dazu kommt. Dennoch wachten wir heute morgen halbwegs erholt auf. Wir hatten zwar kein Frühstück gebucht, aber es gab für uns trotzdem leckeren Kaffee und Toast mit Marmelade und Erdnussbutter. So gestärkt machten Heike und Susanne sich auf dem Weg, um den Mietwagen abzuholen. Versteckt in einem Hochhaus in der Innenstadt, brauchten sie zweimal Hilfe eines freundlichen Einheimischen, doch schließlich nahmen sie ein Auto in Empfang, das um einiges größer als erwartet war. Nach kurzer Einweisung hieß es also rein ins Abenteuer Verkehr in Toronto. Heike übernahm das Fahren, Susanne die Navigation und Andrea die Kommentare von den billigen Plätzen zwischen den Koffern. Denn trotz der Größe des Autos musste ein Koffer neben ihr Platz nehmen. Und da das Gepäck nicht weniger wird, bauen wir sie langsam ein. Mal sehen ob sie am Ende noch zu sehen ist. Ach ja… ein unerwünschtes Souvenir haben wir auch noch mitgenommen. Ganz ehrlich, die Lady vom Ordnungsamt muss uns wirklich aufgelauert haben, denn für 5 Minuten falschparken hat sie uns gleich mal 50 Dollar aufgebrummt - die muss gewusst haben, dass wir Touris sind. Gut, verbuchen wir es unter Lehrgeld. Den ersten Teil der Strecke nach Kingston haben wir auf dem Highway zurück gelegt. Permanent von Trucks umringt zu sein, ist dann doch sehr anstrengend, zumal man in Kanada links und rechts überholen darf und das gilt eben auch für die großen Brummer.

Wir wussten von Freunden, dass auf dem Weg „The Big Apple“ liegt, sowas wie Karls Erlebnishof, nur mit Äpfeln. Willkommener Stopp für eine Pause. Nachdem wir uns das reichhaltige Angebot an Süßigkeiten und Gedöns angeguckt und auch ein bisschen was geshoppt haben, gab es Kaffee und Apfelgebäck. Wieder draußen überraschte uns das Wetter mit einem Gewitter, was uns auf dem weiteren Weg auch ein wenig begleitet hat. Wir hatten uns dennoch für die Weiterfahrt auf der Landstraße entschieden. Es ist nicht nur entspannter, man sieht auch mehr vom Land und lernt viel mehr über die Verkehrsregeln, die sich hier durchaus in einigen Punkten von unseren unterscheiden. Unsere erste Ferienwohnung in Kingston entpuppte sich als kleines Häuschen etwas abseits vom Trubel. Zwei Tage lässt es sich hier durchaus aushalten. Zum wiederholten Male stellten wir fest, dass Kanadier unglaublich hilfsbereit und freundlich sind. Kaum steht man suchend in der Gegend herum, kommt auch schon jemand, der einem Hilfe anbietet. Ein Träumchen.
Im Supermarkt mussten wir uns natürlich erstmal ausgiebig das Angebot angucken, Supermärkte in anderen Ländern sind einfach immer spannend. Nachdem wir auch noch einen Liquor Store unsicher gemacht haben, um uns eine Übersicht über die angebotenen alkoholischen Getränke und vor allem Preise zu verschaffen, ging es zurück zur Ferienwohnung. Heike nahm den Kampf mit dem Backofen auf. Wer kann aber auch ahnen, dass die Kanadier ausgerechnet bei Temperaturen auf das angloamerikanische System setzen. Oder zumindest der Ofen hier - und zwischen Celsius und Fahrenheit besteht dann doch ein kleiner Unterschied. ;-) aber ca. 30 Minuten und mehrere Temperaturversuche später, hatten wir unsere Pizza, im Fernsehen lief Battle of the Blades und dazu gab es leckeren Cider von „The Big Apple“. Morgen erwartet uns ein voller Tag, insofern war so ein ruhiger Abend genau das richtige. Bleibt dran, bald gibt es Nachschub.