Nach einem ruhigen Flug haben wir gestern gegen 11.45 Uhr Ortszeit kanadischen Boden betreten. Die Einreise war das entspannteste, was die Weltenbummlerin Susanne je erlebt hat. Nachdem wir an einem Automaten einige Fragen beantwortet haben, wollte der Grenzbeamte nur noch wissen, was wir denn während unseres Aufenthaltes in Kanada vor haben. Nach der Antwort: „Wir machen eine Rundreise.“, wünschte er uns viel Spaß und mahnte uns vorsichtig zu fahren - zack waren wir drin.
Die nächste Herausforderung wartete an der Ticketmaschine für die öffentlichen Verkehrsmittel und das war schwieriger als die Einreise! Welches Ticket brauchen wir? Wieso klappt das mit der Kreditkarte nicht? Doch schließlich haben wir gewonnen, die Tickets gezogen, den Bus gefunden und waren schließlich auf dem Weg nach Toronto. Als Susanne dann auch noch zwischendrin geklärt hatte, dass das Ticket wirklich für die ganze Fahrt gilt, konnten wir beruhigt bis zu unserem Hotel fahren. Es gab nur einen kurzen Zwischenstopp, inklusive unserem ersten kanadischen Cider, dann haben wir uns auch schon wieder auf den Weg gemacht, denn Abends stand ja Eishockey auf dem Programm. Auf dem Weg zur Halle haben wir noch einen Abstecher zum kanadischen Walk of Fame gemacht, in dem nicht nur Schauspieler geehrt werden, sondern u.a auch erfolgreiche Sportler, darunter natürlich viele Eishockeyspieler. Je näher wir der Scotiabank Arena kamen, desto größer würde die Dichte an Hockey Trikots der Leafs und der Habs, aber offenbar hatten auch die Jays an dem Abend ein Baseballspiel, davon haben wir nämlich auch jede Menge Fans gesehen. Die Halle ist extrem zentral gelegen, aber so eingebaut, dass man wirklich wissen muss, wo man hin will. Oder man folgt einfach den vielen Trikots. Für ein Vorbereitungsspiel war verdammt viel los, am Einlaß war schon frühzeitig eine Schlange, als würde es darauf ankommen, als erster drinnen zu sein, um gute Plätze zu bekommen. In der Arena merkt man, wie wichtig Essen und Trinken in der NHL sind. Es gibt unzählige unterschiedliche Stände, die reichlich belagert wurden. Und bei den Preisen (13 Dollar für ein Bier, 20 für zwei Stück Pizza mit Softdrink) fragt man sich, wie viel Geld der ein oder andere an so einem Abend in der Halle ausgibt. Wir haben jedenfalls dankend verzichtet, Susanne hat stattdessen lieber Geld für Leafs-Merch ausgegeben. Gab aber ja auch 30% Rabatt auf alles, außer Tier… ach nein, Trikots. Leider! Als wir auf unsere Plätze kamen, lief das Warm-up noch und zu unserer Freude war kein B-Team auf dem Eis, sondern alle Stars, die Toronto so zu bieten hat. Nachdem der Orgelspieler und der DJ vorgestellt waren und das übliche Entertainmentprogramm vor so einem Spiel erledigt war, durfte dann auch endlich das Team aufs Eis. Das kanadische Publikum sang inbrünstig die Nationalhymne mit und nachdem eine große kanadische und die Leafsflagge durchs Rund wanderte, ging es endlich los. Die Leafs waren von der ersten Sekunde an deutlich besser im Spiel und so dauerte es auch nicht lang, bis wir das erste Mal das Horn hören durften. So ging es auch munter weiter und die Leafs haben 3:0 gewonnen. Die Pausen haben wir genutzt, um die Halle komplett zu erkunden. Interessant zu sehen, aber wirklich ein bisschen eine andere Welt. Für Andrea und Susanne war allerdings der Vergleich zu den amerikanischen NHL-Spielen interessant. Das Rahmenprogramm ist das gleiche, und das Publikum ist genauso schmerzfrei, sobald die Kamera auf sie gerichtet ist. Aber es wird schon deutlich, dass man hier einfach extrem viel Ahnung von dem Sport hat.
Da uns die Preise in der Arena ja zu hoch waren, gingen wir nach dem Spiel auf die Suche nach etwas Essbarem. Leider hatte die Küche bei Tim Hortons zu unserem Entsetzen schon zu, doch schließlich fanden wir die Filiale einer kanadischen Pizzakette und kriegten so noch etwas in den Magen.
Die Nacht war insgesamt etwas unruhig , wie immer wenn man lange über der Zeit wach war und dann noch die Zeitverschiebung dazu kommt. Dennoch wachten wir heute morgen halbwegs erholt auf. Wir hatten zwar kein Frühstück gebucht, aber es gab für uns trotzdem leckeren Kaffee und Toast mit Marmelade und Erdnussbutter. So gestärkt machten Heike und Susanne sich auf dem Weg, um den Mietwagen abzuholen. Versteckt in einem Hochhaus in der Innenstadt, brauchten sie zweimal Hilfe eines freundlichen Einheimischen, doch schließlich nahmen sie ein Auto in Empfang, das um einiges größer als erwartet war. Nach kurzer Einweisung hieß es also rein ins Abenteuer Verkehr in Toronto. Heike übernahm das Fahren, Susanne die Navigation und Andrea die Kommentare von den billigen Plätzen zwischen den Koffern. Denn trotz der Größe des Autos musste ein Koffer neben ihr Platz nehmen. Und da das Gepäck nicht weniger wird, bauen wir sie langsam ein. Mal sehen ob sie am Ende noch zu sehen ist. Ach ja… ein unerwünschtes Souvenir haben wir auch noch mitgenommen. Ganz ehrlich, die Lady vom Ordnungsamt muss uns wirklich aufgelauert haben, denn für 5 Minuten falschparken hat sie uns gleich mal 50 Dollar aufgebrummt - die muss gewusst haben, dass wir Touris sind. Gut, verbuchen wir es unter Lehrgeld. Den ersten Teil der Strecke nach Kingston haben wir auf dem Highway zurück gelegt. Permanent von Trucks umringt zu sein, ist dann doch sehr anstrengend, zumal man in Kanada links und rechts überholen darf und das gilt eben auch für die großen Brummer.
Wir wussten von Freunden, dass auf dem Weg „The Big Apple“ liegt, sowas wie Karls Erlebnishof, nur mit Äpfeln. Willkommener Stopp für eine Pause. Nachdem wir uns das reichhaltige Angebot an Süßigkeiten und Gedöns angeguckt und auch ein bisschen was geshoppt haben, gab es Kaffee und Apfelgebäck. Wieder draußen überraschte uns das Wetter mit einem Gewitter, was uns auf dem weiteren Weg auch ein wenig begleitet hat. Wir hatten uns dennoch für die Weiterfahrt auf der Landstraße entschieden. Es ist nicht nur entspannter, man sieht auch mehr vom Land und lernt viel mehr über die Verkehrsregeln, die sich hier durchaus in einigen Punkten von unseren unterscheiden. Unsere erste Ferienwohnung in Kingston entpuppte sich als kleines Häuschen etwas abseits vom Trubel. Zwei Tage lässt es sich hier durchaus aushalten. Zum wiederholten Male stellten wir fest, dass Kanadier unglaublich hilfsbereit und freundlich sind. Kaum steht man suchend in der Gegend herum, kommt auch schon jemand, der einem Hilfe anbietet. Ein Träumchen.
Im Supermarkt mussten wir uns natürlich erstmal ausgiebig das Angebot angucken, Supermärkte in anderen Ländern sind einfach immer spannend. Nachdem wir auch noch einen Liquor Store unsicher gemacht haben, um uns eine Übersicht über die angebotenen alkoholischen Getränke und vor allem Preise zu verschaffen, ging es zurück zur Ferienwohnung. Heike nahm den Kampf mit dem Backofen auf. Wer kann aber auch ahnen, dass die Kanadier ausgerechnet bei Temperaturen auf das angloamerikanische System setzen. Oder zumindest der Ofen hier - und zwischen Celsius und Fahrenheit besteht dann doch ein kleiner Unterschied. ;-) aber ca. 30 Minuten und mehrere Temperaturversuche später, hatten wir unsere Pizza, im Fernsehen lief Battle of the Blades und dazu gab es leckeren Cider von „The Big Apple“. Morgen erwartet uns ein voller Tag, insofern war so ein ruhiger Abend genau das richtige. Bleibt dran, bald gibt es Nachschub.
Ist der Ofen explodiert? Wann geht es weiter?
AntwortenLöschenFragt Stefan ;-)