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Samstag, 5. Oktober 2019

Québec - klein, aber oho!

Uns erwartete strahlend blauer Himmel als wir den Tag mit einem Ausflug zum Montmorency Wasserfall starteten. Dieser liegt direkt oberhalb von Québec und ist mit 83 Metern Tiefe schon sehr beeindruckend und 30 Meter höher als die Niagara Fälle. Praktischerweise fährt ein Linienbus direkt dorthin. Die Landschaft, in die der Wasserfall eingebettet ist, bot einen fantastischen Anblick, so dass wir aus dem Fotografieren gar nicht mehr rauskamen. Wir hatten etwas mehr rote Bäume erwartet, aber wir wollen mal nicht pingelig sein, das hatte schon sehr viel schönes. Alles wurde aus allen möglichen Winkeln festgehalten. Natürlich genossen wir den Anblick auch ohne Kamera vor dem Auge zur Genüge. Wir spazierten ein wenig durch die Gegend, Susanne traute sich sogar auf die Hängebrücke, die über dem Wasserfall verläuft. Wie immer gab es bei solchen Orten natürlich einen Shop, den wir ausführlich erkundeten. Dann ging‘s zurück in die Stadt, wo wir noch durch die obere Altstadt bummeln wollten.
Quebec wurde 1608 als kleiner Handelsposten gegründet und war heiß umkämpft. Engländer und Franzosen stellten gleichermaßen Ansprüche, doch die Franzosen gewannen bekanntermaßen. Was man der Stadt an jeder Ecke anmerkt. Man fühlt sich nicht wie in Nordamerika, sondern wie in Frankreich. Es gibt hier jede Menge kleine, alte Häuser in verwinkelten Gassen. Entzückend! Jeder Laden hat passende Metallschildchen hängen und viele Geschäfte haben sich zur Halloweenzeit unglaublich toll geschmückt. Zur Weihnachtszeit hier zu sein würde uns wohl sämtliche Nerven kosten. Wir kamen mit all den Kürbissen und dem Halloweenzeug aus dem Quietschen ja jetzt schon nicht raus.
Gleich der erste Laden war ein Sportgeschäft mit dem „Untertitel“ Hockey Zone. Zack, waren wir drin. Und mit Tüten wieder draußen. In den zahlreichen Souvenirgeschäften wartete dann natürlich auch wieder die eine oder andere Attacke auf unsere Geldbörsen. Hockey, Eisbären und Ahornblätter kann man in unglaublichen Varianten verarbeiten. Überhaupt… dieses Eishockey. Québec hat seit 1995 kein bedeutendes Team mehr, seit der damalige NHL-Club Nordiques de Québec zu den Colorado Avalanche wurden. Trotzdem wird man an jeder Ecke mit Eishockeykram erschlagen, dazwischen auch noch sehr viel Merch des ehemaligen NHL-Clubs. Ach ja… eine schnelle Zählung in einem Zeitschriftenladen ergab übrigens die Zahl von 6 verschiedenen Eishockeymagazinen.
Unsere kleine Verschnaufpause wollten wir bei Tim Hortons und einem leckeren French Vanilla Kaffee begehen, allerdings war die Maschine kaputt und so mussten wir gezwungenermaßen in einem Pub einkehren, wo es dann anstelle von Kaffee eben einen Cider gab. So ein Ärger aber auch. :-)
Unser nächstes Ziel war das Château Frontenac, ein Luxushotel, welches über der Stadt thront. Gelegen an einer breiten Terrasse oberhalb des St. Lorenz-Stroms hat man einen phantastischen Blick über das Wasser, die Altstadt unterhalb, die Gegend ringsum und überhaupt. Das ganze in ein wunderschönes Abendlicht getaucht… bisschen kitschig ist das schon, aber schööööön! Am Ende der Dufferin Terrassen führte eine Treppe hoch zur Zitadelle. 310 Stufen wollten wir uns allerdings nicht geben, stattdessen bewunderten wir die fest installierte „Glissades“ - eine Rodelbahn, die dort seit 1884 existiert und im Winter für viel Spaß sorgt. Auf dem Weg zurück zum Bus sortierten wir unsere Pläne für den nächsten Tag und stellten auf Höhe des Château fest, dass wir sehr wohl im 5-Sterne-Hotel mal eben edel auf Toilette gehen können. War ganz nett, aber bisher kommt nichts an die Toiletten im Savoy in London heran.
Huch, auch hier im Château gibt es Shops- also nichts wie rein. Verfolgt wie wir sind, gab es auch hier Vintage Hockey Merchandise. In einer Ecke fanden wir zwei auf alt getrimmte Holzhockeyschläger, die aussahen wie Deko. Bei genauerer Betrachtung sahen wir deren Nutzen und das Preisschild. Nutzung super - war nämlich ne Garderobe. Preisschild war auch okay. Auch beim Schreiben dieser Zeilen gerät Sanne immer noch ins Schwärmen -  passt nur leider nicht in den Koffer. Und die Frage: wohin damit in der Wohnung ist auch noch nicht geklärt. Zehn Seufzer später konnte Sanne sich endlich lösen, das Shirt, was Andrea gefiel, gab es nicht in der passenden Größe… naaa gut, dann kauften wir halt nix. Auf dem Weg zum Bus gab es ja aber noch den Weihnachtsladen. Ganzjährig geöffnet. In Montréal hatten wir ja schon das Vergnügen, aber das heißt ja nicht, dass wir hier nicht rein mussten. Wir sind ja wahre Weihnachtsfreaks und haben schon viel gesehen, aber hier gibt es dann doch Kram, den wir noch nicht kennen. Die Nummer mit den Eisbären und dem Eishockey erwähnen wir jetzt mal nicht… Wenn wir an den Punkt kommen,dass wir was mit Eishockey wieder ins Regal stellen, weil es irgendwie langweilig aussieht... wisst ihr Bescheid! Es reichte dann auch für den ersten Tag und wir fuhren zurück in unsere Ferienwohnung. Erwähnen wollen wir aber noch, dass ab Ende September bis Ende Oktober viele bedeutende Gebäude in pinkes Licht getaucht sind, zu Ehren des Kampfes gegen Brustkrebs. Toll!

„Hm, mal gucken. Die untere Altstadt ist ja nicht so groß,“ sagte Andrea, als wir am Morgen aufbrachen. Dazu später mehr!
Zunächst führte uns unser Weg zur Zitadelle. Von der Stadt-Seite aus muss man nämlich keine 310 Stufen rauf klettern. Von da oben hat man einen hübschen Überblick über die Stadt und den Fluss und der Himmel machte einen auf Drama. Kann man mal machen. Die Treppe nahmen wir dann nach unten, um wieder auf der Ebene des Château anzukommen. Aber das Ziel war die Altstadt von Québec, die sich noch eine Ebene darunter befindet. Man kann mit der Funiculaire, einer kleinen Standseilbahn die kurze Strecke überwinden, wir aber entschieden uns für die so genannte Halsbrechertreppe. Zumindest hinab.
Zweieinhalb Gassen, auf den ersten Blick wirklich überschaubar. Allerdings bleibt man dauernd stehen, weil eine Deko schöner ist, als die nächste. Ein Haus süßer, als das nächste. Und ein Laden schnuckeliger als der nächste. Man wird im Quartier du Petit Champlain ein bisschen zum Gummiball, der unkontrolliert von links nach rechts dopst und wieder zurück. Irgendwann schafften wir es auch, die asiatischen Reisegruppen zu ignorieren, die vermutlich mittlerweile auf dem Weg zum Nordpol sind. Wobei das Lauschen bei den Reiseführern durchaus interessante Infos zu tage bringt. Zum Beispiel, dass diese kleine Straße die drittschönste der Welt ist. Wie französisch Québec ist, merkt man nicht nur am Stadtbild, sondern auch an den Sprachfähigkeiten der Bewohner. Englisch in den Grundzügen geht, aber viel mehr dann auch nicht. Trotzdem bleibt es auch hier dabei. Zuckersüß, super freundlich, einfach liebenswert!
Fünf Stunden später hatten wir die zweieinhalb Gassen dann übrigens geschafft. So viel dazu. Wir beschlossen, dass es auch okay ist, mal ein bisschen früher zurück zur Wohnung zu fahren.
Morgen heißt es schon wieder Abschied nehmen von dieser wundervollen Stadt. Dann geht es weiter nach Trois-Rivières. Kevin Poulin guckte uns übrigens sehr entgeistert an, als wir dieses Reiseziel erwähnten. „Da gibt es doch nichts,“ sagte er. Jaaaaa. Super! Wir brauchen ein wenig Ruhe zwischen all diesen Reizen. 
Ruhe, Wasser, Spaziergänge, Whirlpool… wir kommen!

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Montréal im Regen und weiter nach Québec City

Leider präsentierte sich die Stadt am nächsten Tag unter einer schweren Wolkendecke und es regnete in einer Tour, mal mehr, mal weniger. Trotzdem machten wir uns zunächst auf den Weg zum Mont Royal, dem Haus- und Hofberg der Stadt, von dem aus man einen tollen Blick haben soll. Ob das so ist, konnten wir leider nicht herausfinden, denn am Fuße des Berges wurde klar, dass wir von oben gar nichts sehen würden, so tief hingen die Wolken.  Also sparten wir uns den Aufstieg, zumal die Bäume in Montréal auch noch nicht so weit sind, dass wenigstens die einen tollen Anblick bieten würden. Bergsteigen ohne Belohnung wollten wir dann doch nicht. Wir kehrten also um und machten uns auf den Weg Richtung Downtown, genauer gesagt zum Centre Bell, der Heimspielstätte der Montréal Canadiens, dem heimischen NHL-Team. Leider konnte man die Halle nicht besichtigen, da sich Céline Dion dort für mehrere Konzerte eingenistet hatte. Den Großteil davon hat sie abgesagt, haben wir später gelernt. Rein kam man trotzdem nicht. Aber egal. Die Halle von außen, das ganze Drumherum und natürlich der Canadiens-Shop waren trotzdem einen Abstecher wert. Da Andrea ja grundsätzlich keine Abneigung gegen die Canadiens hat und NHL-Klamotten wollte, wurde wild anprobiert und am Ende auch gekauft. Beim Bezahlen kam es wieder zum - mittlerweile obligatorischen - Gespräch Susannes mit der Kassiererin. Diese hatte mal Deutsch in der Schule, aber sie wollte genauer wissen, woher wir kommen. Deutschland, Österreich, Schweiz…. wir sprachen zu schnell, als dass sie dies hätte erkennen können. Und so kamen „wir“ wieder ins Plaudern. 

Dann mussten wir allerdings los, denn wir hatten in einer anderen Ecke der Stadt eine Verabredung mit unserem ehemaligen Torhüter Kevin Poulin. Susanne wollte ein kurzes Interview mit ihm führen und er hatte dankenswerterweise Zeit für uns. Dieser Abstecher führte uns in den Stadtteil Plateau. Sehr schön und schnuckelig, nur regnete es mittlerweile Strippen. Was das Vergnügen etwas schmälerte. Kevin war gut drauf und Susanne und er plauderten ein knappes Stündchen über ihn, Kanada im Allgemeinen und Montréal im Besonderen. Und wir tauschten Tipps aus. Wir bekamen welche für Québec, er den fürs Pumpkinferno, was seinen Jungs garantiert gut gefallen würde. Nachdem seine Frau ihn abgeholt und wir auch noch mit ihr ein wenig geplaudert hatten, wollten wir eigentlich zurück nach Downtown in die unterirdische Stadt. Zwischen uns und dem U-Bahnhof war aber ein Sportladen. Sowas können wir natürlich nicht ignorieren. Noch mehr Canadiens-Shirts für Andrea (guuut, auch ein Maple Leafs Shirt durfte mit), aber auch Team Canada-Pullis für Heike und Susanne waren die Ausbeute.

Mittlerweile regnete es nicht mehr nur Strippen, sondern es goß in Strömen. Spätestens jetzt wissen wir, dass unsere Schuhe und Jacken nicht mehr für Starkregen geeignet sind. Die Lederschuhe von Sanne und Andrea trocknen immer noch vor sich hin.
Trotzdem schafften wir es zurück zur Metro und fuhren endlich doch zu der unterirdischen Stadt. Zur Erklärung: unter der Innenstadt von Montréal gibt es ein weit verzweigtes Netz, welches Bürohäuser und U-Bahnstationen miteinander verbindet und in dem es von Läden nur so wimmelt. Bei gemittelt Minus 20 Grad im Winter hat es der Montréaler dann lieber trocken und warm. Klang für uns super faszinierend, doch schon nach 5 Minuten waren wir extrem genervt. Das ist sicher toll, wenn man sich da unten auskennt. Wenn nicht, ist man sehr schnell verloren. 
Erschwerend kam hinzu, dass wir einen speziellen Sportladen gesucht haben, diesen unten suchten, er sich aber oberirdisch befand. Wie gesagt, wir hatten sehr schnell die Faxen von diesem unterirdischen Einkaufscenter dicke. Zumal uns langsam Schwimmhäute zwischen den Zehen wuchsen. Also ab in die Metro und zurück in die Unterkunft. Kurze Pause, einmal trockenlegen und dann mussten wir auch schon wieder los. Leider regnete es immer noch bzw. tobte über uns gerade das Gewitter und wir hatten 15 Minuten Fußweg vor uns. Aber es half nichts. Wir hatten Tickets für Aura, einem Multimediaspektakel in der Notre-Dame Basilica. Die Show war die nassen Füße aber wirklich wert. Eine tolle Kirche (auch, wenn uns die Jahreszahlen der Erbauung als Europäer wieder nur ein müdes Lächeln entlocken) und eine schöne Mischung aus Musik und Lichtprojektionen. Aber leider war auch dieser Spaß irgendwann vorbei und draußen regnete es immer noch. Unser Hunger führte uns wieder zurück in den Stadtteil Plateau. Hier sollte es die beste Poutine der Stadt geben. Nach einem etwas längeren Fußmarsch fanden wir uns dann in einer langen Schlange von Leuten wieder, die ebenfalls in das Restaurant wollten. Also stellten wir uns brav an. Wir müssen nicht mehr erwähnen, dass es immer noch regnete….
Eine knappe halbe Stunde später wurden wir dann doch schon platziert. Wie gut, dass Andrea noch ein bisschen Bargeld dabei hatte, denn erst drinnen wurde man darauf hingewiesen, dass keine Kreditkarten akzeptiert werden. Die Poutine war wirklich extrem lecker, aber natürlich auch viel zu viel. Keine von uns dreien hat ihre Portion geschafft. 
Den Heimweg konnten wir dann bereits ohne Regenschirm antreten. Sensationell quasi. Hierbei machten wir übrigens die Erfahrung, dass selbst die Stadtstreicher und Schnorrer extrem freundlich sind. Auch, wenn sie nix bekommen.

Den heutigen Morgen konnten wir entspannt angehen, denn wir mussten erst um 12 Uhr aus dem Apartment heraus und vor 15 Uhr konnten wir in Québec nicht rein. Das Navi verriet uns, dass wir auf der Landstraße doppelt so lange brauchen würden. Das braucht ja auch kein Mensch, also hieß es diesmal Highway fahren. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, dass die Trucks sich genauso benehmen wie die Autos, geht das sogar. Trotzdem werden wir weiter die Landstraße bevorzugen, wenn es geht. Es ist einfach entspannter und schöner. Auf dem Weg sahen wir sehr schnell, dass die Bäume immer bunter wurden, je weiter wir nach Norden kamen. Sensationell und genau das, worauf wir gehofft hatten. Nach einem Tim Horton‘s-Zwischenstopp, bei dem sich wieder mal ein lustiges Gespräch zwischen Susanne und dem Mitarbeiter entwickelte, hatte Heike die Faxen dicke und Susanne übernahm das Steuer. Dabei gab es auf dem Highway gar keine Stoppschilder. Rein nach Québec war es eine Stopp and Go-Schlacht dank mehrerer Baustellen und jeder Menge Feierabendverkehr, aber wir fanden unsere Ferienwohnung ohne größere Probleme.
Nach diesem wundervollen Apartment in Montréal müssen wir hier einige Abstriche machen, aber dafür wird uns sicherlich die Stadt entschädigen. Einen Kaffee später machten wir uns daran, die Umgebung ein wenig zu erkunden. Wir brauchten einen Supermarkt und guckten bei der Gelegenheit auch gleich, wo der Bus fährt, den wir morgen brauchen. Da sich ein Starbucks aufdrängte, erledigte Susanne gleich ihren Tassenkauf. Bei dem netten Gespräch mit dem Verkäufer erkundete sie dann auch noch, wie wir morgen an die Busfahrkarten kommen. 
Übrigens nieselte es hier auch ziemlich, als wir ankamen. Aber morgen soll das vorbei sein. Besser ist auch!