Freitag, 6. Dezember 2013

t‘Dreupelkot macht Wangen rot


Einmal fürs Protokoll… Gent ist hässlich! Egal ob tagsüber oder abends, ob vom Lande oder vom Wasser aus betrachtet. Diese Häuser gehen einfach gar nicht! Man biegt um die Ecke und wieder steht eine komplette Fassaden-Reihe vor einem, die wirklich an Hässlichkeit nicht zu überbieten ist! Genauso, wie die kleinen Läden, Cafés, Restaurants, Bars… widerlich! Bloß nicht hinfahren!

Wo wir das geklärt haben, können wir uns dem heutigen Tag widmen. Gestern hatten die Ausläufer Xavers uns ja auch ein wenig im Griff. Heute früh hingegen strahlte der Himmel, als hätte er nie was anderes getan. Nach dem Frühstück führte unser Weg uns zunächst zu Burg Gravensteen, eine schnuckelige Wasserburg am Rande der Altstadt. Viele Wendeltreppen und schöne Ausblicke später kamen wir überein, dass die Burg sich perfekt in Gent einfügt. Genauso hässlich, wie alles andere…

Von dort führt unser Weg uns zum Caermersklooster. In dem einen Teil war eine Ausstellung zur Geschichte des Genter Altars, den wir uns erst morgen ansehen – jedenfalls das, was man zurzeit sehen kann, denn er wird restauriert. Im anderen Teil gab es eine Ausstellung zu Martin Scorsese, die zwar nicht eingeplant, aber sehr interessant war. Die Ausstellung hat allerdings unseren Zeitplan etwas durcheinander gewirbelt, denn eigentlich wollten wir noch in ein Museum, ehe wir uns der Bootsfahrt über die mittlerweile spärlich gesäten Grachten widmen wollten. Gut, Pläne sind dazu da, um umgeworfen zu werden. Schnell das Bootsticket geholt und die verbleibende dreiviertel Stunde bis Abfahrt genutzt, um sich die St. Niklaaskerk anzuschauen.
Anschließend entdeckte Andrea auf der anderen Straßenseite einen weiteren Leonidas (der Chocolatier mit den Mickey-Pralinen). Da wir davon mittlerweile auch einige durch hatten, war die Chance gering, aber wir haben ja in London gelernt, dass man die Hoffnung nie aufgeben darf.
Und tatsächlich. Strahlend und wild mit der Einkaufstüte wedeln, kam Andrea wieder aus dem Laden raus.
Nun aber rauf aufs Boot und Gent einmal von der Wasserseite aus betrachtet.

Das Boot war zwar überdacht, aber geheizt ist anders. Einigermaßen durchgefroren liefen wir anschließend zum Weihnachtsmarkt, um uns einen Glühwein einzuverleiben. Vergebens… auf diesem gesamten Weihnachtsmarkt gab es alles, aber keinen Glühwein! Sorry, liebe Genter. Aber ein Weihnachtsmarkt ohne Glühwein ist wie Ostern ohne Hasen! Zum Glück gab es aber unweit der Bootsanlegestelle einen Stand, an dem es sehr leckeren Glühwein für die Mädels und Kaffee mit Whisky für Holger gab. Während wir da so gemütlich standen, stellten wir fest, dass uns schon wieder die Zeit davon lief, denn Ladenschluss in Gent ist zwischen 18 und 18.30 (okay, irgendwelche Fehler muss diese Stadt ja haben!), und Susanne musste ganz dringend noch etwas völlig überflüssiges und total schönes jagen. Aber so ne Metalldose für Medikamente mit Erste-Hilfe-Rehkitz drauf kann man nun wirklich nicht stehen lassen! Das hat zum Glück auch Holger eingesehen. Jedenfalls, nachdem wir noch einen VW-Bulli entdeckt hatten, in dem man ganz wunderbar Kosmetiktücher verstecken kann. ;-)

Einen kurzen Besuch im Supermarkt und im Appartement später waren wir auch schon auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel: t‘Dreupelkot – ein Laden, in dem es über 200 Jenever-Sorten gibt. Klein, eng und einfach urig! Die Karte ist endlos und verlangte Susanne einige Übersetzungsküste ab. Aber nach dem zweiten Jenever klappt das mit dem Holländisch auch immer besser. ;-)
Von Vanille über Melone über „gewöhnlichen“ alten und jungen Jenever hat der Laden alles, was das Herz begehrt. Zum Glück waren wir recht früh da, so dass wir auch noch einen Platzt ergattern konnten. Und zwei Regeln haben wir schnell gelernt: wenn das randvolle Glas auf dem Tresen steht: erst nippen, dann weg tragen. Und nach zwei Jahren hat man, nach Meinung eines Einheimischen,  alle Sorten durch. Dummerweise haben wir ja nur noch zwei Tage, also wurden mal tapfer vier Sorten pro Person durchprobiert. Morgen gibt es die nächste Runde. ;-)

Momentan haben wir das Gefühl, dass Gent die erste Stadt unserer Rundreise ist, bei der unsere Aufenthaltstage nicht reichen könnten. Aber warten wir erst mal den morgigen Tag ab. :-)

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