Mittwoch, 9. Oktober 2019

Zurück nach Ontario

Für die Reise nach Ottawa hatten wir uns erneut für die Fahrt über die Landstraße entschieden, da es einfach entspannter ist und man zudem noch wunderbar etwas von der Provinz Québec zu sehen bekommt. Der morgendliche Regen hatte sich auch verzogen und so konnten wir gemütlich durch die Ortschaften zuckeln. Unterwegs wurden wir zudem wieder mit einer wunderbaren Pracht an Baumfärbungen belohnt. 
Kurz vor Ottawa machten wir einen kleinen Abstecher nach Montebello, zum Omega-Park. Das Navi neigt ja dazu den kürzesten Weg rauszusuchen und schickte uns auf dem letzten Teilstück über eine zum Teil unbefestigte kurvige Straße quer durch einen prächtigen Wald. Im Winter und bei Regen möchte man die nicht fahren, aber bei dem Wetter hatte Susanne mächtig Spaß. 
Der Park ist quasi eine Safari mit einheimischen Tieren, wo man mit dem eigenen Auto durchfahren kann. Am Eingang gibt es Möhren zu kaufen, mit denen man einen Teil der Tiere füttern und so zum Auto locken konnte. Da konnte Susanne natürlich nicht widerstehen. Andrea bat anfangs dringend darum, dass die Fenster zu bleiben, Susanne wollte Fotos machen, kam also nicht in Frage. Die Tiere wissen natürlich genau, dass es in diesen lustigen Blechteilen Möhren zu ergattern gibt und so laufen sie immer elegant vor das Auto oder stellen sich in den Weg, um einen zum Halten zu zwingen. Möhren gab es nur auf der Beifahrerseite, Heike ließ ihr Fenster zu und als die erste Hirschkuh das damit quittierte, dass sie einmal ihre sabbernde Zunge quer über die Seitenscheiben zog, war Heike erstmal bedient. Es ist auch eine ziemliche Herausforderung, einfach wieder anzufahren, wenn rechts und links und vorne und hinten Wild in allen Größen ums Auto springt. Dazwischen aufgeregte Bachen mit ihren Frischlingen, neugierige Männchen, die wir aber wegen der Brunftzeit nicht füttern sollten und dann noch Gänse, die quer über den Weg latschen. In der Fahrschule lernt man klare Regeln, wie man sich zu verhalten hat, wenn Wild vors Auto rennt, die sind hier natürlich alle außer Kraft gesetzt. Nach ein paar Minuten ging es aber und Heike kutschierte uns sicher die Wege entlang. Neben Wild in allen Ausführungen gab es noch Bären, schwarze und weiße Wölfe, Polarfüchse, Bisons in verschiedenen Varianten und jede Menge Vögel. Die Biber und die Waschbären haben sich leider nicht gezeigt. Dafür aber spektakuläre Landschaft und viel buntes Laub. Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt!

Weiter ging es Richtung Hauptstadt. Lustig ist, dass auf der französischen Seite, auf der wir ja immer noch fuhren, schon eine Weile Schilder auf Gatineau hinwiesen, kein einziges jedoch auf Ottawa. Die Doppelstadt wird durch einen Fluss getrennt, die eine Seite gehört zu Québec, wo eben Gatineau liegt, die andere zu Ontario, wo Ottawa sich breit macht. Rüber über die Brücke und zack waren wir wieder in Ontario. Endlich wieder englische Schilder! Das Haus war schnell gefunden, unser Auto parkt mit kirchlichem Beistand neben der Kathedrale und wir haben festgestellt, dass es beim Ferienwohnung buchen am Küchentisch toll ist, sich immer die oberen Etagen auszusuchen - an unsere Koffer haben wir dabei nie gedacht!
Wieder mal mussten wir noch einen Supermarkt unsicher machen und sahen auf dem Weg dahin schon die ein oder andere nette Ecke. Allerdings merkt man auch auf Anhieb, dass wir wieder in einer Großstadt sind. Stadtstreicher, laute Geräusche, das Heulen der Sirenen, die üblichen Begleitumstände halt…

Der heutige Tag empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, reinstes Angeberwetter. Perfekt, um durch die Stadt zu schlendern. Wir ließen es ruhig angehen, frühstückten lange und dann zogen wir los. Da die Kathedrale quasi unser Nachbarhaus ist, fingen wir hier an. Begrüßt wurden wir mit Orgelklängen, was bei einem Besuch einer Kirche ja immer eine nette Untermalung ist. Eine prunkvolle Ausstattung, dabei aber keinesfalls überladen. Die Sonne zauberte durch die bunten Fenster ein beeindruckendes Licht im Inneren. 
Nach dem Kirchenbesuch wandten wir uns wieder weltlichen Dingen zu und gingen zum Byward Market. Die Gemüsestände verzückten uns, da hier eine unglaublich liebevolle Präsentation zu bewundern war. Auf unseren Berliner Märkten sucht man das vergebens. Abgelenkt wurden wir dann aber doch von einem Weinladen. Der erste, in dem probiert werden durfte. Was unsere Schritte auch direkt in das Geschäft lenkte. Es gab Proben eines lokalen Ciders - Apple Cinnamon. Lecker, aber zu intensiv für mehr als ein Glas. Aber der Name der Firma ließ uns jubeln, denn Growers gehört mittlerweile zu unseren Lieblingsmarken an einheimischem Cider. Und es gab im hinteren Regal noch ganz viele lustige Sorten davon. Ehe wir da aber hinkamen, sprach uns ein anderer Kunde an und hielt uns einen Adventskalender unter die Nase, den er gerade erstanden hatte. Wir fragen uns jetzt noch, wieso er der Meinung war, dass ausgerechnet uns ein Adventskalender mit Eishockeymotiv interessieren würde. Die einzige, die sichtbar was mit Eishockey anhatte war Andrea, das aber nur auf dem Rücken und den hatte sie ihm nicht zugedreht. Wir rieben uns dennoch etwas verwundert die Augen, denn dieser Adventskalender war von Lindt. Hallo! Was läuft denn bei euch schief? Wieso gibt es sowas in Deutschland nicht?! Ein freundliches Gespräch später hatten wir endlich das Cider-Regal erreicht, begutachteten die vielen Sorten und beschlossen, zum Ende des Tages hier nochmal vorbei zu kommen, um unsere Vorräte aufzustocken. Über einen kurzen Stopp am Maple Syrup Stand, ging es dann endlich in die Byward Market Halle. Der erste Laden empfing uns mit kanadischem Sortiment, aber inzwischen sind wir wählerisch geworden. Irgendwie waren wir alle 3 von der geringen Größe der Halle enttäuscht. Wir hatten sie uns nach dem Studium diverser Reiseführer sehr viel größer vorgestellt. Aber schön war es auf jeden Fall. Genauso, wie die kleinen Straßen ringsum. Lauter kleine Häuschen, umringt allerdings von Hochhäusern. Nur mit kleinen Bauten kriegt man halt auch nicht alle Menschen unter.
Der nächste Weg führte uns ins Rideau Center. An keinem Ort waren und werden alle Shops so gebündelt sein, die auf unserer To-Do-Liste stehen. Allerdings hielt sich die Ausbeute dann doch in Grenzen. Nicht soooo schlimm. 
Am frühen Nachmittag war es Zeit endlich eine weitere kanadische Spezialität zu probieren - Beaver Tails. Ihren Namen verdankt sie ihrem Aussehen, denn sie erinnert an einen Biberschwanz. Man kann sie süß, aber auch in herzhafter Variante probieren. Wir entschieden uns für die klassische mit Zucker und Zimt und dann noch für eine mit Haselnusscreme und Bananenscheiben. Lecker! Toll auch die bequemen Stühle, die überall herumstehen, aus denen man allerdings sehr schwer wieder herauskommt, wenn man erstmal drin sitzt. Aber hilft ja nix, wir mussten schließlich noch Cider kaufen, Susanne wollte zu Starbucks, da es neuerdings dann doch auch eine Ottawa-Tasse gibt (wär doch nicht nötig gewesen) und zum Supermarkt mussten wir auch nochmal, da wir gestern nur das nötigste gekauft hatten. Für den einen Abend entschieden wir, Chickenwings mit Coleslaw zu machen. Man sollte meinen, dass es in einem nordamerikanischen Supermarkt nicht schwierig ist, Coleslaw zu finden. Denkste… Susanne war auf der Suche, während am anderen Ende Andrea mit der Steuerung des Wagens kämpfte und prompt einen großen Stapel Kartons touchierte. Wie bei einem Verkehrsunfall wusste sie was passierte, konnte aber nur noch zusehen, wie die Kisten reihenweise zu Boden gingen. Während Andrea noch fasziniert auf das Chaos blickte, zog Heike sie geistesgegenwärtig in den nächstbesten Gang, um schleunigst diese Ecke des Supermarkts zu verlassen.
Als Susanne wieder auf die beiden traf, gackerten die wie blöde und verkündeten, dass sie den hinteren Teil des Supermarktes nicht mehr betreten konnten. Nach der Schilderung, was passiert war, bedankte sich Andrea nochmal bei Heike für die Rettung. Deren Kommentar war nur trocken: „Du wärst doch da stehen geblieben und hättest geglotzt, wie ein Monchichi.“
Zum Glück hatten wir den Coleslaw gefunden und konnten den Supermarkt schleunigst verlassen, bevor das Überwachungsvideo analysiert werden konnte. ;-) Nix wie weg hier!

Fazit des ersten Tages Ottawa: die Stadt ist wirklich schön, aber auch wirklich klein. Alle, die uns im Vorfeld gesagt haben, dass sie nicht so rasant viel zu bieten hat, hatten dann wohl doch Recht. Aber da auch für morgen Kaiserwetter angekündigt ist, werden wir einfach weiter durch die Straßen schlendern und natürlich noch die Sehenswürdigkeiten anpeilen, die wir heute noch nicht gesehen haben.

Montag, 7. Oktober 2019

Unterwegs auf der Chemin du Roy

Der Wetterbericht hatte einen sonnigen Herbsttag vorausgesagt - perfektes Wetter um auf der idyllischen Chemin du Roy (zu deutsch: Königsstraße) Richtung Trois-Rivières zu fahren. Links von uns tauchte immer wieder das - im Sonnenschein glitzernde - Wasser des St. Lorenz-Stromes auf. Auch die Laubbäume zeigten sich im Sonnenlicht in ihren schönsten Farben.Was die Dame auf der hinteren Sitzbank immer wieder entzückt aufquietschen ließ. Die kleinen Örtchen, die wir passierten, waren auch nicht gerade hässlich. Lässt sich schon nett leben an diesem Flußufer. Lustig ist, dass quasi kein Haus ohne Veranda auskommt, Gerne ums halbe Haus herum. Dazu Treppen, bei denen man sich fragt, wie die das eigentlich bei Schnee machen und den gibt es bekanntermaßen im Winter dort reichlich. Es gibt sogar extra Straßenschilder, die vor kreuzenden Schneefahrzeugen warnen.
Nach einiger Zeit hatte Andrea die Nase voll davon, die schöne Aussicht immer nur durchs Fenster zu betrachten. Sie wollte eine Pause am Wasser! Heike lieferte, wie gewünscht und wählte den wohl schönsten Rastplatz der Straße aus. Bänkchen direkt am Wasser, ein hektisch durch die Gegend flitzendes Streifenhörnchen inklusive. Das putzige Tierchen kam die Treppe schneller hoch, als wir es je schaffen würden. Leider war es auch zu schnell für die Kamera, obwohl es uns zweimal besucht hat, während wir da saßen und die Aussicht genossen. 
Aber es half nichts, wir mussten weiter, denn der örtliche Supermarkt schloss irgendwann seine Tore und ein bisschen was brauchten wir noch. Nach unseren tollen Erfahrungen mit dem Wal-Mart in Cornwall , war er auch in Trois-Rivières der Laden unserer Wahl. Aber das war ein Reinfall auf der ganzen Linie. Unübersichtlich, enge Gänge, wenig Auswahl, frisches Zeug gab es auch nicht und den Alkohol hatten sie so gut versteckt, dass wir ihn nicht gefunden haben. Muss man sich mal vorstellen!
Aber eine süße Bedienung, die sehr bemüht ihre dreieinhalb Brocken Englisch auspackte. Hier wird nämlich vorwiegend französisch geredet. Alle Schilder sind einsprachig, auch in unserer Ferienwohnung ist alles auf Französisch. Scheint ne kleine Enklave zu sein. Zu unserer Entschädigung gab es neben dem Wal-Mart einen Sportladen, in dem es ein unfassbar großes Angebot gab. Soviel Hockey- und Baseballequipment hatten wir noch nicht gesehen.
Unsere Unterkunft hielt absolut, was sie bei Airbnb versprochen hatte. Wir haben ein schnuckeliges zweistöckiges Haus komplett für uns alleine. Super schön eingerichtet, perfekt ausgestattet und mit zwei Terrassen. Da unser Plan für diese Stadt war, ein wenig durchzuschnaufen, ist das genau das richtige! Da der Wal-Mart ja nicht mit uns spielen wollte, sind wir nochmal flott zum nächsten Supermarkt gefahren. Der hat uns dann allerdings ziemlich geflashed. So eine Auswahl hatten wir bisher auf der ganzen Reise noch nie. Lustig waren die Regale mit dem internationalen Angebot. Heike inspizierte das Europa-Regal. Croissants, Croissants, Croissants. Ähm… Italien hatte drei eigene Regale, dazu ein Mediterranes und noch ein bisschen vom Rest der Welt. Deutsche Süßigkeiten gab es auch genug. 
Wir hatten aber wenigstens alles, was wir für die zwei Tage hier brauchten. Nach einem Abendspaziergang in der untergehenden Sonne zum St.-Lorenz-Strom konnten wir es uns endlich in unserem Quartier gemütlich machen.

Den heutigen Sonntag haben wir dann auch als solchen verbracht. Nach einem entspannten Frühstück, zu dem wir uns eine Flasche kanadischen Sekt gegönnt haben, stand Waschtag auf dem Programm. Lustig, so riesige fremde Waschmaschinen. Gemeinschaftlich diskutierten wir alle Befehle durch, dann ging sie ab, die wilde Fahrt unsere Wäsche. Viel spannender aber natürlich die Frage: wie geht das mit dem Trockner. Andrea hatte Angst, dass wir alles neu kaufen müssten, weil es einläuft. Susanne beruhigte sie, Heike schmunzelte. 40 Minuten später waren wir schlauer: Wäsche trocken, nicht eingelaufen, alles schön.
Schließlich rafften wir uns auf, um doch noch ein wenig die Stadt zu erkunden. Kevin hatte recht, hier gibt es wirklich nicht viel, aber uns reicht ja ein offener Laden, um Geld auszugeben…
Trois-Rivières ist irgendwie eine komische Stadt. Sie ist die älteste Industriestadt Kanadas und bekannt für Papier- und Textilindustrie. Seit den 1990ern mussten allerdings immer mehr Fabriken schließen und alles wirkt ein wenig trist. Viele Häuser stehen auch leer, schön ist es wirklich nicht. Also traten wir den Rückzug in unsere Unterkunft an. Mit der frisch gewaschenen Wäsche wurden die Koffer nochmal umgeschichtet. Noch ist bei uns allen Platz.
Die Bedienungsanleitung für den Aussen-Whirlpool lässt sich zwar dank Google Translate übersetzen, sagt aber nur, was man nach Benutzung machen soll. Nicht, wie man das Teil benutzt. Der massive Chlorgeruch, gepaart mit den frischen Temperaturen draußen, schreckte uns zusätzlich ab. Whirlpool ist abgewählt, auch ohne lässt es sich hier gut aushalten.
Jetzt kochen wir uns was feines und morgen geht es dann weiter nach Ottawa, also zurück nach Ontario. Geplant ist auch noch ein spannender Zwischenstopp, jedenfalls, wenn das Wetter mitspielt.

Samstag, 5. Oktober 2019

Québec - klein, aber oho!

Uns erwartete strahlend blauer Himmel als wir den Tag mit einem Ausflug zum Montmorency Wasserfall starteten. Dieser liegt direkt oberhalb von Québec und ist mit 83 Metern Tiefe schon sehr beeindruckend und 30 Meter höher als die Niagara Fälle. Praktischerweise fährt ein Linienbus direkt dorthin. Die Landschaft, in die der Wasserfall eingebettet ist, bot einen fantastischen Anblick, so dass wir aus dem Fotografieren gar nicht mehr rauskamen. Wir hatten etwas mehr rote Bäume erwartet, aber wir wollen mal nicht pingelig sein, das hatte schon sehr viel schönes. Alles wurde aus allen möglichen Winkeln festgehalten. Natürlich genossen wir den Anblick auch ohne Kamera vor dem Auge zur Genüge. Wir spazierten ein wenig durch die Gegend, Susanne traute sich sogar auf die Hängebrücke, die über dem Wasserfall verläuft. Wie immer gab es bei solchen Orten natürlich einen Shop, den wir ausführlich erkundeten. Dann ging‘s zurück in die Stadt, wo wir noch durch die obere Altstadt bummeln wollten.
Quebec wurde 1608 als kleiner Handelsposten gegründet und war heiß umkämpft. Engländer und Franzosen stellten gleichermaßen Ansprüche, doch die Franzosen gewannen bekanntermaßen. Was man der Stadt an jeder Ecke anmerkt. Man fühlt sich nicht wie in Nordamerika, sondern wie in Frankreich. Es gibt hier jede Menge kleine, alte Häuser in verwinkelten Gassen. Entzückend! Jeder Laden hat passende Metallschildchen hängen und viele Geschäfte haben sich zur Halloweenzeit unglaublich toll geschmückt. Zur Weihnachtszeit hier zu sein würde uns wohl sämtliche Nerven kosten. Wir kamen mit all den Kürbissen und dem Halloweenzeug aus dem Quietschen ja jetzt schon nicht raus.
Gleich der erste Laden war ein Sportgeschäft mit dem „Untertitel“ Hockey Zone. Zack, waren wir drin. Und mit Tüten wieder draußen. In den zahlreichen Souvenirgeschäften wartete dann natürlich auch wieder die eine oder andere Attacke auf unsere Geldbörsen. Hockey, Eisbären und Ahornblätter kann man in unglaublichen Varianten verarbeiten. Überhaupt… dieses Eishockey. Québec hat seit 1995 kein bedeutendes Team mehr, seit der damalige NHL-Club Nordiques de Québec zu den Colorado Avalanche wurden. Trotzdem wird man an jeder Ecke mit Eishockeykram erschlagen, dazwischen auch noch sehr viel Merch des ehemaligen NHL-Clubs. Ach ja… eine schnelle Zählung in einem Zeitschriftenladen ergab übrigens die Zahl von 6 verschiedenen Eishockeymagazinen.
Unsere kleine Verschnaufpause wollten wir bei Tim Hortons und einem leckeren French Vanilla Kaffee begehen, allerdings war die Maschine kaputt und so mussten wir gezwungenermaßen in einem Pub einkehren, wo es dann anstelle von Kaffee eben einen Cider gab. So ein Ärger aber auch. :-)
Unser nächstes Ziel war das Château Frontenac, ein Luxushotel, welches über der Stadt thront. Gelegen an einer breiten Terrasse oberhalb des St. Lorenz-Stroms hat man einen phantastischen Blick über das Wasser, die Altstadt unterhalb, die Gegend ringsum und überhaupt. Das ganze in ein wunderschönes Abendlicht getaucht… bisschen kitschig ist das schon, aber schööööön! Am Ende der Dufferin Terrassen führte eine Treppe hoch zur Zitadelle. 310 Stufen wollten wir uns allerdings nicht geben, stattdessen bewunderten wir die fest installierte „Glissades“ - eine Rodelbahn, die dort seit 1884 existiert und im Winter für viel Spaß sorgt. Auf dem Weg zurück zum Bus sortierten wir unsere Pläne für den nächsten Tag und stellten auf Höhe des Château fest, dass wir sehr wohl im 5-Sterne-Hotel mal eben edel auf Toilette gehen können. War ganz nett, aber bisher kommt nichts an die Toiletten im Savoy in London heran.
Huch, auch hier im Château gibt es Shops- also nichts wie rein. Verfolgt wie wir sind, gab es auch hier Vintage Hockey Merchandise. In einer Ecke fanden wir zwei auf alt getrimmte Holzhockeyschläger, die aussahen wie Deko. Bei genauerer Betrachtung sahen wir deren Nutzen und das Preisschild. Nutzung super - war nämlich ne Garderobe. Preisschild war auch okay. Auch beim Schreiben dieser Zeilen gerät Sanne immer noch ins Schwärmen -  passt nur leider nicht in den Koffer. Und die Frage: wohin damit in der Wohnung ist auch noch nicht geklärt. Zehn Seufzer später konnte Sanne sich endlich lösen, das Shirt, was Andrea gefiel, gab es nicht in der passenden Größe… naaa gut, dann kauften wir halt nix. Auf dem Weg zum Bus gab es ja aber noch den Weihnachtsladen. Ganzjährig geöffnet. In Montréal hatten wir ja schon das Vergnügen, aber das heißt ja nicht, dass wir hier nicht rein mussten. Wir sind ja wahre Weihnachtsfreaks und haben schon viel gesehen, aber hier gibt es dann doch Kram, den wir noch nicht kennen. Die Nummer mit den Eisbären und dem Eishockey erwähnen wir jetzt mal nicht… Wenn wir an den Punkt kommen,dass wir was mit Eishockey wieder ins Regal stellen, weil es irgendwie langweilig aussieht... wisst ihr Bescheid! Es reichte dann auch für den ersten Tag und wir fuhren zurück in unsere Ferienwohnung. Erwähnen wollen wir aber noch, dass ab Ende September bis Ende Oktober viele bedeutende Gebäude in pinkes Licht getaucht sind, zu Ehren des Kampfes gegen Brustkrebs. Toll!

„Hm, mal gucken. Die untere Altstadt ist ja nicht so groß,“ sagte Andrea, als wir am Morgen aufbrachen. Dazu später mehr!
Zunächst führte uns unser Weg zur Zitadelle. Von der Stadt-Seite aus muss man nämlich keine 310 Stufen rauf klettern. Von da oben hat man einen hübschen Überblick über die Stadt und den Fluss und der Himmel machte einen auf Drama. Kann man mal machen. Die Treppe nahmen wir dann nach unten, um wieder auf der Ebene des Château anzukommen. Aber das Ziel war die Altstadt von Québec, die sich noch eine Ebene darunter befindet. Man kann mit der Funiculaire, einer kleinen Standseilbahn die kurze Strecke überwinden, wir aber entschieden uns für die so genannte Halsbrechertreppe. Zumindest hinab.
Zweieinhalb Gassen, auf den ersten Blick wirklich überschaubar. Allerdings bleibt man dauernd stehen, weil eine Deko schöner ist, als die nächste. Ein Haus süßer, als das nächste. Und ein Laden schnuckeliger als der nächste. Man wird im Quartier du Petit Champlain ein bisschen zum Gummiball, der unkontrolliert von links nach rechts dopst und wieder zurück. Irgendwann schafften wir es auch, die asiatischen Reisegruppen zu ignorieren, die vermutlich mittlerweile auf dem Weg zum Nordpol sind. Wobei das Lauschen bei den Reiseführern durchaus interessante Infos zu tage bringt. Zum Beispiel, dass diese kleine Straße die drittschönste der Welt ist. Wie französisch Québec ist, merkt man nicht nur am Stadtbild, sondern auch an den Sprachfähigkeiten der Bewohner. Englisch in den Grundzügen geht, aber viel mehr dann auch nicht. Trotzdem bleibt es auch hier dabei. Zuckersüß, super freundlich, einfach liebenswert!
Fünf Stunden später hatten wir die zweieinhalb Gassen dann übrigens geschafft. So viel dazu. Wir beschlossen, dass es auch okay ist, mal ein bisschen früher zurück zur Wohnung zu fahren.
Morgen heißt es schon wieder Abschied nehmen von dieser wundervollen Stadt. Dann geht es weiter nach Trois-Rivières. Kevin Poulin guckte uns übrigens sehr entgeistert an, als wir dieses Reiseziel erwähnten. „Da gibt es doch nichts,“ sagte er. Jaaaaa. Super! Wir brauchen ein wenig Ruhe zwischen all diesen Reizen. 
Ruhe, Wasser, Spaziergänge, Whirlpool… wir kommen!

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Montréal im Regen und weiter nach Québec City

Leider präsentierte sich die Stadt am nächsten Tag unter einer schweren Wolkendecke und es regnete in einer Tour, mal mehr, mal weniger. Trotzdem machten wir uns zunächst auf den Weg zum Mont Royal, dem Haus- und Hofberg der Stadt, von dem aus man einen tollen Blick haben soll. Ob das so ist, konnten wir leider nicht herausfinden, denn am Fuße des Berges wurde klar, dass wir von oben gar nichts sehen würden, so tief hingen die Wolken.  Also sparten wir uns den Aufstieg, zumal die Bäume in Montréal auch noch nicht so weit sind, dass wenigstens die einen tollen Anblick bieten würden. Bergsteigen ohne Belohnung wollten wir dann doch nicht. Wir kehrten also um und machten uns auf den Weg Richtung Downtown, genauer gesagt zum Centre Bell, der Heimspielstätte der Montréal Canadiens, dem heimischen NHL-Team. Leider konnte man die Halle nicht besichtigen, da sich Céline Dion dort für mehrere Konzerte eingenistet hatte. Den Großteil davon hat sie abgesagt, haben wir später gelernt. Rein kam man trotzdem nicht. Aber egal. Die Halle von außen, das ganze Drumherum und natürlich der Canadiens-Shop waren trotzdem einen Abstecher wert. Da Andrea ja grundsätzlich keine Abneigung gegen die Canadiens hat und NHL-Klamotten wollte, wurde wild anprobiert und am Ende auch gekauft. Beim Bezahlen kam es wieder zum - mittlerweile obligatorischen - Gespräch Susannes mit der Kassiererin. Diese hatte mal Deutsch in der Schule, aber sie wollte genauer wissen, woher wir kommen. Deutschland, Österreich, Schweiz…. wir sprachen zu schnell, als dass sie dies hätte erkennen können. Und so kamen „wir“ wieder ins Plaudern. 

Dann mussten wir allerdings los, denn wir hatten in einer anderen Ecke der Stadt eine Verabredung mit unserem ehemaligen Torhüter Kevin Poulin. Susanne wollte ein kurzes Interview mit ihm führen und er hatte dankenswerterweise Zeit für uns. Dieser Abstecher führte uns in den Stadtteil Plateau. Sehr schön und schnuckelig, nur regnete es mittlerweile Strippen. Was das Vergnügen etwas schmälerte. Kevin war gut drauf und Susanne und er plauderten ein knappes Stündchen über ihn, Kanada im Allgemeinen und Montréal im Besonderen. Und wir tauschten Tipps aus. Wir bekamen welche für Québec, er den fürs Pumpkinferno, was seinen Jungs garantiert gut gefallen würde. Nachdem seine Frau ihn abgeholt und wir auch noch mit ihr ein wenig geplaudert hatten, wollten wir eigentlich zurück nach Downtown in die unterirdische Stadt. Zwischen uns und dem U-Bahnhof war aber ein Sportladen. Sowas können wir natürlich nicht ignorieren. Noch mehr Canadiens-Shirts für Andrea (guuut, auch ein Maple Leafs Shirt durfte mit), aber auch Team Canada-Pullis für Heike und Susanne waren die Ausbeute.

Mittlerweile regnete es nicht mehr nur Strippen, sondern es goß in Strömen. Spätestens jetzt wissen wir, dass unsere Schuhe und Jacken nicht mehr für Starkregen geeignet sind. Die Lederschuhe von Sanne und Andrea trocknen immer noch vor sich hin.
Trotzdem schafften wir es zurück zur Metro und fuhren endlich doch zu der unterirdischen Stadt. Zur Erklärung: unter der Innenstadt von Montréal gibt es ein weit verzweigtes Netz, welches Bürohäuser und U-Bahnstationen miteinander verbindet und in dem es von Läden nur so wimmelt. Bei gemittelt Minus 20 Grad im Winter hat es der Montréaler dann lieber trocken und warm. Klang für uns super faszinierend, doch schon nach 5 Minuten waren wir extrem genervt. Das ist sicher toll, wenn man sich da unten auskennt. Wenn nicht, ist man sehr schnell verloren. 
Erschwerend kam hinzu, dass wir einen speziellen Sportladen gesucht haben, diesen unten suchten, er sich aber oberirdisch befand. Wie gesagt, wir hatten sehr schnell die Faxen von diesem unterirdischen Einkaufscenter dicke. Zumal uns langsam Schwimmhäute zwischen den Zehen wuchsen. Also ab in die Metro und zurück in die Unterkunft. Kurze Pause, einmal trockenlegen und dann mussten wir auch schon wieder los. Leider regnete es immer noch bzw. tobte über uns gerade das Gewitter und wir hatten 15 Minuten Fußweg vor uns. Aber es half nichts. Wir hatten Tickets für Aura, einem Multimediaspektakel in der Notre-Dame Basilica. Die Show war die nassen Füße aber wirklich wert. Eine tolle Kirche (auch, wenn uns die Jahreszahlen der Erbauung als Europäer wieder nur ein müdes Lächeln entlocken) und eine schöne Mischung aus Musik und Lichtprojektionen. Aber leider war auch dieser Spaß irgendwann vorbei und draußen regnete es immer noch. Unser Hunger führte uns wieder zurück in den Stadtteil Plateau. Hier sollte es die beste Poutine der Stadt geben. Nach einem etwas längeren Fußmarsch fanden wir uns dann in einer langen Schlange von Leuten wieder, die ebenfalls in das Restaurant wollten. Also stellten wir uns brav an. Wir müssen nicht mehr erwähnen, dass es immer noch regnete….
Eine knappe halbe Stunde später wurden wir dann doch schon platziert. Wie gut, dass Andrea noch ein bisschen Bargeld dabei hatte, denn erst drinnen wurde man darauf hingewiesen, dass keine Kreditkarten akzeptiert werden. Die Poutine war wirklich extrem lecker, aber natürlich auch viel zu viel. Keine von uns dreien hat ihre Portion geschafft. 
Den Heimweg konnten wir dann bereits ohne Regenschirm antreten. Sensationell quasi. Hierbei machten wir übrigens die Erfahrung, dass selbst die Stadtstreicher und Schnorrer extrem freundlich sind. Auch, wenn sie nix bekommen.

Den heutigen Morgen konnten wir entspannt angehen, denn wir mussten erst um 12 Uhr aus dem Apartment heraus und vor 15 Uhr konnten wir in Québec nicht rein. Das Navi verriet uns, dass wir auf der Landstraße doppelt so lange brauchen würden. Das braucht ja auch kein Mensch, also hieß es diesmal Highway fahren. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, dass die Trucks sich genauso benehmen wie die Autos, geht das sogar. Trotzdem werden wir weiter die Landstraße bevorzugen, wenn es geht. Es ist einfach entspannter und schöner. Auf dem Weg sahen wir sehr schnell, dass die Bäume immer bunter wurden, je weiter wir nach Norden kamen. Sensationell und genau das, worauf wir gehofft hatten. Nach einem Tim Horton‘s-Zwischenstopp, bei dem sich wieder mal ein lustiges Gespräch zwischen Susanne und dem Mitarbeiter entwickelte, hatte Heike die Faxen dicke und Susanne übernahm das Steuer. Dabei gab es auf dem Highway gar keine Stoppschilder. Rein nach Québec war es eine Stopp and Go-Schlacht dank mehrerer Baustellen und jeder Menge Feierabendverkehr, aber wir fanden unsere Ferienwohnung ohne größere Probleme.
Nach diesem wundervollen Apartment in Montréal müssen wir hier einige Abstriche machen, aber dafür wird uns sicherlich die Stadt entschädigen. Einen Kaffee später machten wir uns daran, die Umgebung ein wenig zu erkunden. Wir brauchten einen Supermarkt und guckten bei der Gelegenheit auch gleich, wo der Bus fährt, den wir morgen brauchen. Da sich ein Starbucks aufdrängte, erledigte Susanne gleich ihren Tassenkauf. Bei dem netten Gespräch mit dem Verkäufer erkundete sie dann auch noch, wie wir morgen an die Busfahrkarten kommen. 
Übrigens nieselte es hier auch ziemlich, als wir ankamen. Aber morgen soll das vorbei sein. Besser ist auch!

Dienstag, 1. Oktober 2019

Von Ontario nach Quebec

Sonntag war Reisetag. Aufgrund der Wohnsituation in Morrisburg hatten wir beschlossen, unser Frühstück bei Tim Horton‘s zu uns zu nehmen. Zumal wir da noch nicht waren, obwohl wir schon seit Mittwoch im Land sind. Geht gar nicht! Zur Erklärung für die, denen der Name nichts sagt. Dahinter verbirgt sich die größte kanadische Kaffee- und Fast-Food-Kette, die von einem ehemaligen Eishockeyspieler gegründet wurde. Ein Blick auf die Uhr und das Navi und wir entschieden uns weiter für die Landstraße. In Cornwall sollte es eine interessante Kirchenruine geben, an der wir noch einen Zwischenstopp machen wollten. Viel interessanter war allerdings erstmal der riesige Wallmart, der uns am Ortseingang auflauerte. Da wir Zeit hatten, haben wir ihn uns ausführlich angeguckt und auch gleich unseren Proviant aufgefüllt. Um diese Kirchenruine hätte in Europa niemand Aufsehen gemacht. Erbaut 1821, abgebrannt 1966 - Daten, die bei uns niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Aber die Gegend war ganz nett.
Wir blieben der Landstraße treu und bei bestem Reisewetter zuckelte wir am St. Lorenzstrom entlang Richtung Norden. Den Bäumen kann man mittlerweile dabei zugucken, wie sie langsam die Farbe wechseln. Wir werden den Höhepunkt des Indian Summer noch miterleben, so wie es aussieht. Und schon jetzt sieht es teilweise fantastisch aus. Völlig unspektakulär waren wir plötzlich in der Provinz Quebec. Kein Schild, gar nichts. Wir merkten es nur daran, dass die Verkehrsschilder und die Werbung plötzlich in Französisch waren. Die Verkehrsregeln sind im Großen und Ganzen die gleichen, allerdings liebt der Frankokanadier Stoppschilder. Hier spart man Ampeln und stellt lieber Stoppschilder auf. Heike hat jetzt eine Stoppschildphobie. ;-)

Nach Montréal rein zu fahren war ein ziemliches Gewühle. Viele Autos, viele Baustellen und eben viele Stoppschilder. Aber wir haben unsere Ferienwohnung ohne Verfahren gefunden und auch das System der Tiefgarage kapiert. Die Wohnung ist hübsch und wirklich zentral gelegen. Nach einem Kaffeepäuschen mussten wir allerdings doch nochmal zum Supermarkt, denn uns fehlte Pfeffer und Salz.
Wie praktisch, dass sich nebenan gleich der Alkoholshop befindet. Angeblich soll dieser in der Provinz Quebec etwas günstiger sein. Also nix wie rein und Preise und Angebot verglichen. Manches war ein klein bisschen billiger, anderes nicht. Aber wir hatten erst einmal eine Orientierung. Der Supermarkt allerdings war dann schon eine kleine Überraschung. Wir merkten sofort, dass wir uns im französischen Teil Kanadas befinden. Deutlich europäischer. Dass Essen hier zur Lebenskultur zählt, ist sofort sichtbar. Eine eigene Delikatessenabteilung, eine kleine Alkoholabteilung, ein umfangreiches Käse- und Wurstsortiment. Schon ein Unterschied zu den Supermärkten in Ontario. Übrigens wird Alkohol hier auch nicht diskret in kleine braune Papiertüten verpackt. Fasziniert schlenderten wir durch die Regale und natürlich blieb es nicht beim Pfeffer und Salz.
Den Abend ließen wir dann wieder entspannt beim Kochen und einem Döschen Cider ausklingen.

Für heute stand nun endlich etwas Sightseeing auf dem Programm. Sanne führte uns in die Altstadt von Montréal. Nachdem wir kurz vorher noch anmerkten, dass uns bisher kein einziger Souvenirladen begegnet war, reihte sich nun einer an den nächsten. Ahornblätter, Elche, Eisbären und Hockey wurde auf so ziemlich alles gedruckt, was sich irgendwie verkaufen lässt. Und so dauerte es ich nicht lange, eh die ersten Dinge in unseren Besitz übergingen. Das ganze eingebettet in eine sehr französisch anmutende Altstadt, durch die es sich wunderbar schlendern lässt. Bei Starbucks probierten wir endlich unseren ersten Pumpkin Spice Latte, ehe wir uns weiter durch die Läden wühlten. Selbst in kleinen Delikatessläden findet man hier übrigens Eishockeykram. Positiv bekloppt diese Kanadier. Und es bleibt auch in Quebec dabei: sie sind einfach verdammt nett, offen und witzig. Susanne führt so ziemlich mit jedem Einheimischen, mit dem wir es zu tun bekommen, ein kurzes Gespräch.
Nach einem Abstecher zum Hafen waren wir dann aber genug gelaufen und arbeiteten uns über den Supermarkt zurück zu unserer Wohnung. Gleich wird gekocht und morgen erkunden wir zwei ganz andere Ecken von Montréal.

Sonntag, 29. September 2019

Über 1000 Inseln bis zum Kürbisinferno

Der Tag begann sehr früh, da um 10 Uhr unsere Bootstour in den 1000 Islands beginnen sollte. Wir hatten uns im Vorfeld für die große 5 Stunden Tour, inkl. kurzem Aufenthalt auf der Insel der Herzen um das Boldt Castle zu besichtigen, entschieden . Strahlender Sonnenschein war der perfekte Reisebegleiter und so nahmen wir auf dem Oberdeck Platz. Nach einiger Zeit offenbarte der St. Lorenz Strom seine raue Seite und der Wind trieb uns dann unter Deck. Auf ca. der Hälfte der Strecke erreichten wir unseren Zwischenstopp. Zur Besichtigung des Schlosses mussten wir uns aber erst einmal ein Visum holen, denn die Insel liegt bereits in den USA. Man sollte meinen, dass ein zweistündiger Aufenthalt auf einer Insel, von der man nicht runter kommt, einfach zu bewerkstelligen ist. Nö, wir mussten die gesamte Prozedur über uns ergehen lassen, incl. Fingerabdrücke. Dafür hat sie uns aber auch gleich bestätigt, dass wir wieder ausgereist sind. Nachdem dies erledigt war, begann der Spaß. Und den hatten wir wirklich. Ein deutschstämmiger Einwanderer hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts zum erfolgreichsten Hotelier der USA hochgearbeitet und sich in diese kleine Insel verliebt. Hier wollte er nach Vorbild der Schlösser am Rhein, seiner Liebsten ein Anwesen als Valentinstagsgeschenk bauen. Leider ist seine Frau während der Bauzeit verstorben und in seiner Trauer hat er das Schloss nicht vollendet und auch die Insel nie wieder betreten. Jahrzehnte war der Rohbau dem Verfall preisgegeben, eh man sich Ende der 70iger entschied, es zu sanieren, fertig zu stellen und zur Besichtigung freizugeben. Die unteren Etagen sind bereits fertig, für die oberen wird man noch einige Dekaden benötigen. Beim Erkunden des Schlosses stießen wir immer wieder auf Gänge zu Tunneln, die zu Aussenanwesen führten. Wie dem großzügigen Poolbereich zum Beispiel oder dem Spielhaus für die Kinder. Gerade hier kamen wir aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Bei der Planung kannte die Fantasie des Schlossherren offenbar keine Grenze. Kegelbahn, Brettspiele, Laufräder… für alles gab es großzügige Räume. Völlig durchgeknallt und sehr faszinierend.
Dieses Schloss nach seinen Plänen komplett entstehen zu lassen wird noch einiges an Jahrzehnten dauern. Aber es ist ein wunderbar kitschiger Ort für einen kleinen Ausflug. Die Route zurück führte uns durch einen anderen Teil der 1000 Islands und nach 5 Stunden waren wir wieder im Hafen. Hier bummelten wir noch etwas herum, durchstöberten den Shop und dann ging es zurück nach Kingston.

Uns allen hing der Magen bereits in den Kniekehlen, also legten wir einen Stopp in einem Burgerladen ein, eh es zu unserem zweiten Hockeyspiel ging.
Diesmal stand ein Spiel der Ontario Hockey League auf dem Plan. Die Kingston Frontenacs gegen die Ottawa 67s. Das Spiel hatte nicht sehr viele Zuschauer angelockt, aber diese waren dafür sehr fachkundig und mit Leidenschaft dabei. Auf dem Eis ging es gut zur Sache, ein deutscher Schiedsrichter wäre aus dem Pfeiffen gar nicht mehr rausgekommen. Und das Entertainment-Programm rundherum hat so getan, als wären es NHL.
Nach 60 Minuten stand es 2:2, aber nach bereits 17 Sekunden der Verlängerung entschieden die Gäste das Spiel für sich. Auch hier gab es am Rande wieder nette Gespräche mit Einheimischen. Da wir natürlich Eisbärentrikots anhatten, löste das bei einigen Neugier aus und Susanne führte das ein oder andere sehr nette Gespräch über Eishockey, Berlin, Deutschland, Weihnachtsmärkte und natürlich Glühwein.

Wieder in unserem Ferienhaus angekommen ließen wir den Abend bei einem guten Tropfen Wein von Wayne Gretzky‘s Weingut ausklingen.
Es ergab sich bei einer kleinen Googlesuche nach diesem Weingut, dass es in Niagara on the Lake liegt. Ein kleiner schnuckeliger Ort, dem wir ja eh einen kleinen Besuch abstatten wollten. Momentan sieht es so aus, als wenn wir auch den Abstecher zum Weingut machen. Liegt ja auf dem Weg…. 

Für den heutigen Tag war ursprünglich ein Besuch in Kanadas ehemals größtem Gefängnis geplant. Leider hatten wir die Ticketsituation etwas aus dem Blick verloren und so war die 11 Uhr Führung ausgebucht. Kurz umgeplant, entschieden wir uns dann für einen Besuch des Adidas Outlets. Im Endeffekt war der Besuch dort für eine Dame nicht ganz so günstig, die beiden anderen ergatterten Schnäppchen.
Kingston beherbergt eine kleine Original Hockey Hall of Fame, deren Besuch den Abschluss unseres Aufenthaltes in Kingston bildete. Was wir nicht ahnten war, dass diese kleine, aber feine Ausstellung sich im Invista Center, einem Trainingskomplex mit vier Eishockeyflächen und jede Menge Fitnessräumen befand. Auf jeder Eisfläche fanden gerade Spiele des zahlreichen Nachwuchses statt. Jungs, wie Mädels. Wir waren etwas geflashed, aber in Kanada verbringen die Eltern ihre Wochenenden eben nicht auf dem Fußballplatz, sondern in der Eishalle. Die Ausstellung entpuppte sich als klein, aber sehr fein. So findet sich dort zum Beispiel das erste NHL-Trikot von Wayne Gretzky aus Edmonton. Auch der älteste Puck der Welt (noch viereckig), wird hier gut gesichert ausgestellt. Der Abstecher hatte sich wirklich gelohnt. 

Aber dann hieß es Abschied nehmen von Kingston. Wir blieben der Landstraße treu und arbeiteten uns langsam in Richtung Morrisburg weiter. Leider schüttete es zwischendurch heftig, was insofern schade war, als dass wir von dem unglaublich schönen Weg am St. Lorenz Strom entlang nicht ganz so viel hatten. Und wir hatten Angst um unser Abendprogramm, was eine Freiluftveranstaltung war. Unsere Übernachtung für diese Nacht entpuppte sich als Zimmer direkt im Haus unserer Gastgeber. Nicht gerade unser Optimum, aber die beiden sind zuckersüß, das Haus ein Hammer und für eine Nacht hat das auch mal was. 
Zum Glück besserte sich das Wetter, als wir schließlich zum Upper Canada Village aufbrachen, wo das Pumpkinferno auf uns wartete. Gut, in Nordamerika übertreibt man gerne mal, aber was die da aufgeboten haben, hat uns doch ziemlich umgehauen. Nach verschiedenen Themen sortiert gab es Figuren, ganze Landschaften und kleine Szenen - alles aus Kürbissen geschnitzt und beleuchtet. Unfassbar! Dinosaurier, Märchenlandschaften, Unterwasserwelten - und als sie uns dann auch noch Eisbären und Eishockeyspieler präsentierten, war es endgültig um uns geschehen. Es war aufgrund technischer Probleme unglaublich schwierig, im Vorfeld die Tickets zu bekommen und wir sind wirklich froh, dass das geklappt hat. Da hätten wir wirklich was sehenswertes verpasst - ein großer Dank an unsere Pumpkinqueen Andrea, die es entdeckt hat!
Morgen geht es weiter nach Montréal - dann beginnt der Wahnsinn der Städte, die uns garantiert auf Trab halten werden.

Freitag, 27. September 2019

24 Stunden Kanada und viele Erkenntnisse

Nach einem ruhigen Flug haben wir gestern gegen 11.45 Uhr Ortszeit kanadischen Boden betreten. Die Einreise war das entspannteste, was die Weltenbummlerin Susanne je erlebt hat. Nachdem wir an einem Automaten einige Fragen beantwortet haben, wollte der Grenzbeamte nur noch wissen, was wir denn während unseres Aufenthaltes in Kanada vor haben. Nach der Antwort: „Wir machen eine Rundreise.“, wünschte er uns viel Spaß und mahnte uns vorsichtig zu fahren - zack waren wir drin.

Die nächste Herausforderung wartete an der Ticketmaschine für die öffentlichen Verkehrsmittel und das war schwieriger als die Einreise! Welches Ticket brauchen wir? Wieso klappt das mit der Kreditkarte nicht? Doch schließlich haben wir gewonnen, die Tickets gezogen, den Bus gefunden und waren schließlich auf dem Weg nach Toronto. Als Susanne dann auch noch zwischendrin geklärt hatte, dass das Ticket wirklich für die ganze Fahrt gilt, konnten wir beruhigt bis zu unserem Hotel fahren. Es gab nur einen kurzen Zwischenstopp, inklusive unserem ersten kanadischen Cider, dann haben wir uns auch schon wieder auf den Weg gemacht, denn Abends stand ja Eishockey auf dem Programm. Auf dem Weg zur Halle haben wir noch einen Abstecher zum kanadischen Walk of Fame gemacht, in dem nicht nur Schauspieler geehrt werden, sondern u.a  auch erfolgreiche Sportler, darunter natürlich viele Eishockeyspieler. Je näher wir der Scotiabank Arena kamen, desto größer würde die Dichte an Hockey Trikots der Leafs und der Habs, aber offenbar hatten auch die Jays an dem Abend ein Baseballspiel, davon haben wir nämlich auch jede Menge Fans gesehen. Die Halle ist extrem zentral gelegen, aber so eingebaut, dass man wirklich wissen muss, wo man hin will. Oder man folgt einfach den vielen Trikots. Für ein Vorbereitungsspiel war verdammt viel los, am Einlaß war schon frühzeitig eine Schlange, als würde es darauf ankommen, als erster drinnen zu sein, um gute Plätze zu bekommen. In der Arena merkt man, wie wichtig Essen und Trinken in der NHL sind. Es gibt unzählige unterschiedliche Stände, die reichlich belagert wurden. Und bei den Preisen (13 Dollar für ein Bier, 20 für zwei Stück Pizza mit Softdrink) fragt man sich, wie viel Geld der ein oder andere an so einem Abend in der Halle ausgibt. Wir haben jedenfalls dankend verzichtet, Susanne hat stattdessen lieber Geld für Leafs-Merch ausgegeben. Gab aber ja auch 30% Rabatt auf alles, außer Tier… ach nein, Trikots. Leider! Als wir auf unsere Plätze kamen, lief das Warm-up noch und zu unserer Freude  war kein B-Team auf dem Eis, sondern alle Stars, die Toronto so zu bieten hat. Nachdem der Orgelspieler und der DJ vorgestellt waren und das übliche Entertainmentprogramm vor so einem Spiel erledigt war, durfte dann auch endlich das Team aufs Eis. Das kanadische Publikum sang inbrünstig die Nationalhymne mit und nachdem eine große kanadische und die Leafsflagge durchs Rund wanderte, ging es endlich los. Die Leafs waren von der ersten Sekunde an deutlich besser im Spiel und so dauerte es auch nicht lang, bis wir das erste Mal das Horn hören durften. So ging es auch munter weiter und die Leafs haben 3:0 gewonnen. Die Pausen haben wir genutzt, um die Halle komplett zu erkunden. Interessant zu sehen, aber wirklich ein bisschen eine andere Welt. Für Andrea und Susanne war allerdings der Vergleich zu den amerikanischen NHL-Spielen interessant. Das Rahmenprogramm ist das gleiche, und das Publikum ist genauso schmerzfrei, sobald die Kamera auf sie gerichtet ist. Aber es wird schon deutlich, dass man hier einfach extrem viel Ahnung von dem Sport hat. 
Da uns die Preise in der Arena ja zu hoch waren, gingen wir nach dem Spiel auf die  Suche nach etwas Essbarem. Leider hatte die Küche bei Tim Hortons zu unserem Entsetzen schon zu, doch schließlich fanden wir die Filiale einer kanadischen Pizzakette und kriegten so noch etwas in den Magen. 

Die Nacht war insgesamt etwas unruhig , wie immer wenn man lange über der Zeit wach war und dann noch die Zeitverschiebung dazu kommt. Dennoch wachten wir heute morgen halbwegs erholt auf. Wir hatten zwar kein Frühstück gebucht, aber es gab für uns trotzdem leckeren Kaffee und Toast mit Marmelade und Erdnussbutter. So gestärkt machten Heike und Susanne sich auf dem Weg, um den Mietwagen abzuholen. Versteckt in einem Hochhaus in der Innenstadt, brauchten sie zweimal Hilfe eines freundlichen Einheimischen, doch schließlich nahmen sie ein Auto in Empfang, das um einiges größer als erwartet war. Nach kurzer Einweisung hieß es also rein ins Abenteuer Verkehr in Toronto. Heike übernahm das Fahren, Susanne die Navigation und Andrea die Kommentare von den billigen Plätzen zwischen den Koffern. Denn trotz der Größe des Autos musste ein Koffer neben ihr Platz nehmen. Und da das Gepäck nicht weniger wird, bauen wir sie langsam ein. Mal sehen ob sie am Ende noch zu sehen ist. Ach ja… ein unerwünschtes Souvenir haben wir auch noch mitgenommen. Ganz ehrlich, die Lady vom Ordnungsamt muss uns wirklich aufgelauert haben, denn für 5 Minuten falschparken hat sie uns gleich mal 50 Dollar aufgebrummt - die muss gewusst haben, dass wir Touris sind. Gut, verbuchen wir es unter Lehrgeld. Den ersten Teil der Strecke nach Kingston haben wir auf dem Highway zurück gelegt. Permanent von Trucks umringt zu sein, ist dann doch sehr anstrengend, zumal man in Kanada links und rechts überholen darf und das gilt eben auch für die großen Brummer.

Wir wussten von Freunden, dass auf dem Weg „The Big Apple“ liegt, sowas wie Karls Erlebnishof, nur mit Äpfeln. Willkommener Stopp für eine Pause. Nachdem wir uns das reichhaltige Angebot an Süßigkeiten und Gedöns angeguckt und auch ein bisschen was geshoppt haben, gab es Kaffee und Apfelgebäck. Wieder draußen überraschte uns das Wetter mit einem Gewitter, was uns auf dem weiteren Weg auch ein wenig begleitet hat. Wir hatten uns dennoch für die Weiterfahrt auf der Landstraße entschieden. Es ist nicht nur entspannter, man sieht auch mehr vom Land und lernt viel mehr über die Verkehrsregeln, die sich hier durchaus in einigen Punkten von unseren unterscheiden. Unsere erste Ferienwohnung in Kingston entpuppte sich als kleines Häuschen etwas abseits vom Trubel. Zwei Tage lässt es sich hier durchaus aushalten. Zum wiederholten Male stellten wir fest, dass Kanadier unglaublich hilfsbereit und freundlich sind. Kaum steht man suchend in der Gegend herum, kommt auch schon jemand, der einem Hilfe anbietet. Ein Träumchen.
Im Supermarkt mussten wir uns natürlich erstmal ausgiebig das Angebot angucken, Supermärkte in anderen Ländern sind einfach immer spannend. Nachdem wir auch noch einen Liquor Store unsicher gemacht haben, um uns eine Übersicht über die angebotenen alkoholischen Getränke und vor allem Preise zu verschaffen, ging es zurück zur Ferienwohnung. Heike nahm den Kampf mit dem Backofen auf. Wer kann aber auch ahnen, dass die Kanadier ausgerechnet bei Temperaturen auf das angloamerikanische System setzen. Oder zumindest der Ofen hier - und zwischen Celsius und Fahrenheit besteht dann doch ein kleiner Unterschied. ;-) aber ca. 30 Minuten und mehrere Temperaturversuche später, hatten wir unsere Pizza, im Fernsehen lief Battle of the Blades und dazu gab es leckeren Cider von „The Big Apple“. Morgen erwartet uns ein voller Tag, insofern war so ein ruhiger Abend genau das richtige. Bleibt dran, bald gibt es Nachschub.