Heute früh konnten wir es etwas langsamer angehen lassen, da
unser erster Tagesordnungspunkt erst um 1o Uhr die Pforten öffnet. Und dies war
das Belvedere, das es ja dann doch noch in unser Programm geschafft hatte.
Belvedere bedeutet schöne Aussicht. Als es gebaut wurde, war das sicher auch
so. Momentan sind – jedenfalls rings um das Obere Belvedere – mehr Baukräne,
als zu besten Potsdamer Platz-Zeiten.
Das tut der Schönheit des schnuckeligen Barock-Gebäudes allerdings
keinen Abbruch. Von außen ist auch alles wunderbar erhalten.
Ein wenig ernüchternd war dann allerdings das Innere. Bis
auf wenige Ausnahmen sind die Räume zu schlichten Galerieräumen umfunktioniert
worden und nur noch Schautafeln zeigen die einstige Pracht. Blöd, da wir wohl
die Einzigen waren, die nicht für die Ausstellung, sondern eigentlich nur für
das Gebäude Eintritt bezahlt hatten. Die
Gemälde nahmen wir am Rande mit, Klimt und Caspar David Friedrich mit deutlich
mehr Interesse. Ansonsten konzentrierten wir uns auf die Überreste der
einstigen Pracht. Fotos zu machen war natürlich verboten, aber Andrea war
perfekt darin, Schmiere zu stehen, wen ich – ganz aus Versehen natürlich – den Auslöser
betätigt habe! ;-)
Das Wetter war heute extrem wechselhaft und so zwang uns ein
Schauer zu einer verlängerten Pause, als wir eigentlich schon wieder weiter
wollten. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Wir stellen schon seit Tagen
fest, dass das mit dem einen Besuch in Wien nicht funktionieren wird. Dafür
gibt es zu viele Museen, Häuser, Gassen, ach, was man will! Und so kamen wir im
Gespräch auf das Bestattungsmuseum. Schon fest für den nächsten Wienbesuch
eingeplant, stellten wir bei einem Blick auf die Karte fest, dass das Museum
grade mal zwei Querstraßen entfernt war. Wenn DAS kein Zeichen war?! Wir sind
ja flexibel und da wir uns mitten in der grade mal dreistündigen Öffnungszeit
befanden, mussten wir nicht lange überlegen. Eh wir uns den Prunk des Unteren
Belvedere anschauen wollten, flitzten wir schnell mal rüber.
Dort angekommen, lernten wir, dass wir uns vorher
telefonisch hätten anmelden müssen. So, wie eine andere Besucherin auch. Aber
ein Euro mehr Eintritt machte es möglich, dass wir trotzdem eine Führung
bekommen haben. Sind halt geschäftstüchtig, diese Bestatter! ;-) Für uns kein Problem,
für die Schwäbische Studentin, die jetzt drei Euro mehr zahlen musste, war die
Überwindung körperlich spürbar. Aber, sie rang sich durch! Zum Glück, denn die
Führung war ein absolutes Highlight heute! Der Museumsführer war ein Unikat und
schaffte es, die Besonderheiten der Wiener in Bezug auf Bestattungen grandios
zu beschreiben. A scheene Leich hat bis heute einen ganz großen Stellenwert bei
den Wienern.
Neben den alten Geschichten gab es aber auch etwas zum Schmunzeln
aus der Neuzeit. Dass die Bestatter geschäftstüchtig sind, hatten wir ja schon
gelernt. Ein weiterer Beweis dafür ist die eigens zur Euro 2008 kreierte Urne
in Form eines Fußballs. Bisher ist sie zwar noch nicht zum Einsatz gekommen,
aber einige haben sie bereits gekauft. Man weiß ja nie, wie lange es sie gibt.
Und vielleicht löst sie die in der Beliebtheitsskala noch ganz oben rangierende
Urne Marke Sissi ja mal ab. ;-) (Allerdings liegt Österreich mit nur 25%
Feuerbestattungen europaweit am Ende der Statistik. Sooo viele Urnen werden
hier also eh nicht gebraucht.)
Nach diesem sehr unterhaltsamen Ausflug ins morbide Wien
ging es zurück zum Unteren Belvedere. Auch hier natürlich das gleiche Bild. Nur
wenige Originalräume waren erhalten. Aber die hatten es in sich. Und hier
interessierte uns die Ausstellung auch deutlich mehr. Gold in der Kunst war das
Thema und da waren durchaus interessante Exponate dabei. Zum Beispiel goldene
Handschellen von Gucci oder Kurt Corbain und Jimi Hendrix als moderne Ikonen.
Nach kurzer Überlegung führte unser weiterer Weg uns zu
Straßenbahn, denn irgendwie mussten wir ja in die Nähe von Demel kommen.
Schließlich war das Andrea versprochen. Ein erneuter Blick in die Karte
verriet, dass nicht so wahnsinnig weit entfernt das Burgtheater, das Rathaus
und das Sissi-Denkmal lagen. Das war also die Gelegenheit, das auch noch
mitzunehmen. Es wurde jetzt allerdings kurzzeitig schwierig, sich auf eine
Sache zu konzentrieren. Das Burgtheater, was extrem viel Würde ausstrahlt, auf
der einen Seite. Ein traumhaftes neogotisches Rathaus auf der anderen. Und dazu
ein rasend dramatischer Himmel und die österreichischen Blasmusiker, die auf
dem Rathausvorplatz für das morgen stattfindende Festival übten. Und wir reden
hier nicht von Humba-Humba-Musik, sondern von wirklich schönen Klängen. War ein
bisschen wie im Film…
Irgendwann konnten wir uns von der Szenerie trennen und
machten uns auf die Suche nach dem Sissi-Denkmal. Dabei landeten wir unverhofft
in einem Rosengarten, der seinesgleichen sucht. Andrea wusste gar nicht, wo sie
zuerst hinspringen sollte, um die Nase in die weichen Blätter zu stecken. Und
ich hab noch nie in meinem Leben so viele Rosen fotografiert, wie hier in Wien.
;-) Ach ja, Sissi haben wir dann auch irgendwann gefunden…
Aber so langsam war eine Pause überfällig und wir gingen
flott zum nächsten Ziel: Der K u. K Hofzuckerbäcker Demel! Ein KaffeeHAUS ihm
wahrsten Sinne des Wortes. Zweistöckig, barock, und trotzt erhöhtem Touriaufkommen
noch recht gemütlich. Milchrahmstrudel und ein kleines Probierstück
Apfelstrudel für Andrea, ein Stück gerollte Mandeltorte für mich, und zwei
Kaffee Baileys später waren wir rundum glücklich und zufrieden! Und um 25 Euro
ärmer… ;-) Bei den Katzenzungen habe ich mich aber immer noch geweigert!
Kurz überlegten wir, ob wir noch zum Prater fahren, aber das
Wetter war immer noch recht wechselhaft und vor allem macht Riesenrad fahren
bei starkem Wind nicht so wahnsinnig viel Spaß. Und da die Vorhersagen für
morgen auch nicht so dolle sind, wird der Prater wohl warten müssen, bis wir
das nächste Mal nach Wien kommen. Aber mal schauen, wie das Wetter morgen dann
wirklich aussieht. Jetzt machen wir uns jedenfalls erst mal auf die Suche nach
etwas Herzhaftem zu futtern.
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