Zwei Jahre sind vergangen. Höchste Zeit, wieder nach London zu fliegen. Zur Abwechslung mal im September, was mit unseren Planungen zusammenhängt. Aber dazu kommen wir später. Wie jedes Mal, haben wir den ersten Flug am Tag gebucht. Wie jedes Mal fragen wir uns beim Abflug, wieso wir so blöd sind. Und jedesmal wieder werden wir es so machen. Mittlerweile ist die Ankunft in London ein Ritual. Gepäck holen, raus zum Rauchen, zur U-Bahn traben und ab zum immer gleichen Hotel. Hier kennt man uns mittlerweile, Gepäck abstellen ist kein Problem und gleich geht es weiter.
Da unsere Pläne viel der Zeit in Anspruch nehmen werden, stand der erste Tag ganz im Zeichen des Shopping. Aber erst etwas Kultur, denn in unmittelbarer Nähe des Teeladens unseres Vertrauens steht eine der ältesten Kirchen Londons, die Temple Church. Muss man aber auch wissen. Das Hinweisschild ist wirklich riesig. ;-)
Mitten im geschäftigen Gerichtsviertel steht man plötzlich in einem ruhigen Hof, in dessen Mitte sich die runde Kirche befindet, erbaut im 12. Jahrhundert als Hauptkirche der Tempelritter. Ganz nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem. Geschichte wurde hier auch geschrieben, denn hier fanden viele wichtige Verhandlungen statt, unter anderem die, die im Jahr 1215 zur Unterzeichnung der Magna Carta führten. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude, was sich so völlig von anderen Kirchen unterscheidet.
Eigentlich stand noch der Royal Court of Justice auf dem Plan, aber vorort haben wir gelernt, dass das mit Führungen viel besser geht, das machen wir dann also bei einem der nächsten Besuche . Also auf zu Twinnings, Tee kaufen. Nächstes Ziel war Covent Garden. Allerdings mussten wir dort mit Schrecken feststellen, dass sich weder der Disney Store, noch Build-a-Bear noch an ihrem Platz befanden. So kann man doch nicht shoppen!!!
Wir irrten etwas planlos durch die Gegend, betraten den ein oder anderen Laden und gaben auch das ein oder andere Pfund aus. Das geht ja immer.
Nach einer dringend benötigten Kaffeepause, stand erstmal der wichtigste Laden an: Campingbedarf. Ja, richtig gelesen... Klappstuhl dringend gesucht! Die Dinger passen halt nicht in den Koffer. Also haben wir uns auf neues Shopping-Terrain begeben. Zwei Stück gab es noch, einen davon hat uns allerdings eine Dame weg gekauft. Nun gut, vielleicht geht es ja auch mit einem...? Eine Picknickdecke haben wir ja auch noch und die Wettervorhersage sah auch ganz gut aus.
Ein bisschen unhandlich ist so ein Campingstuhl auf der Schulter ja schon, vor allem, wenn man noch mit Tüten beladen ist. Also ging es zurück zum Hotel, alles abwerfen, das Zimmer binnen Sekunden in Chaos verwandeln (was bei der Größe der Zimmer nicht soooo schwierig ist) und auf in die nächste Runde. Harrods stand mal wieder auf der Liste - also natürlich nur der Merch-Bereich. Und da es Disney nur noch in der Oxford Street gibt, wollten wir da auch noch hin. Ersteres erfolgreich, zweiteres hätten wir lassen können. Weiß man aber ja vorher nicht.
Mittlerweile waren wir aber auch reichlich erledigt und haben nur noch einen kurzen Stop im Pub eingelegt, um etwas zu essen. Das Hotelbett ist leider immer noch nicht größer geworden und die Matratze nicht härter. Aber nach 20 Stunden auf den Beinen spielt das auch keine Rolle mehr.
Für den Freitag hatten wir uns einen Stadtteil rausgesucht, den wir noch nicht kannten. Spitalfield und Smithfield. Die U-Bahn verließen wir an der Station Barbican. Eine scheußliche Ecke, die nach dem 2. Weltkrieg komplett zerbombt war, und wo ziemliche Bausünden hochgezogen worden sind. Zwei Querstraßen weiter sah das schon ganz anders aus. Wir waren auf der Suche nach der ältesten Kirche Londons: der St. Bartholomew the Great. Errichtet 1123 und vom großen Feuer verschont,
liegt sie einbisschen versteckt hinter einem fantastischen Torbogen, bzw. -Haus. Empfangen wurden wir von einem Herren, der offenkundig glücklich über jeden Besucher war und uns erstmal mit Informationen zuschüttete. Und dann brachte er uns höchstpersönlich in die Kirche. Eine Kirche von der Sorte, die einem den Atem stocken und die Tränchen über die Wangen kullern lassen. Unfassbar beeindruckend! Wir waren beide noch nie in so einer großen alten Kirche. Die imposante Kulisse wurde auch schon für viele Filme genutzt, unter anderem für “Vier Hochzeiten und ein Todesfall” aber auch ein Marvel-Film wurde hier schon gedreht.
Allein für die Kirche hat sich der Ausflug schon gelohnt.
Leider war draußen mittlerweile englisches Wetter, was zu einer kurzzeitigen Flucht in einem Pub führte. Dann ging es in das London Museum, eines der Museen, die keinen Eintritt kosten und die man daher gut in Etappen besuchen kann. Wir haben uns auf die Römerzeit und das Mittelalter bis zum Großen Feuer konzentriert. Toll gemachte Ausstellung, die überraschend lebendig war, dafür dass es um Stadtgeschichte geht. Aber Museen können sie halt. Von den Museumsshops ganz zu schweigen! ;-)
Das Wetter hatte sich gebessert und ab ging es nach Spitalfield. Dort lag das vorrangige Interesse zunächst bei einem weiteren Campingladen. Ihr erinnert euch? Zwei Mädels, ein Stuhl. Da der Wetterbericht nicht mehr ganz so optimistisch aussah, kamen uns Zweifel, ob das reichen würde. Kurzerhand kauften wir einen zweiten und sind nun so auf der sicheren Seite. (Falls jemand mal Tipps in Sachen Campingläden in London braucht: Frau Schreiber ist bestens informiert!)
Und wieder zierte ein Campingstuhl unsere Schulter, unser Hotel war diesmal zu weit entfernt. Hilft ja nix… mit Stuhl an der Frau erkundeten wir den Old Spitalfield Market. Eine tolle Markthalle mit vielen Ständen, die selbstgemachte Klamotten, Schmuck, etc. anbieten. Eigentlich sollte der um 17 Uhr schließen und es war mittlerweile kurz nach fünf. Aber es war lustig, wie betont langsam die Händler eingepackt haben, in der Hoffnung, noch den ein oder anderen schnellen Deal zu machen. Hat funktioniert… auch mit uns. Die Sachen, die hier angeboten werden, unterscheiden sich aber wirklich wohltuend von dem, was man auf den anderen Märkten in London so sieht. Merken wir uns!
Ein Stündchen hatten wir noch bis zu unserem nächsten Programmpunkt. Und wo kann man ein Stündchen am Besten verbringen? Richtig, in einem Pub! Dieses Mal eine etwas jüngere und stylischere Variante des Klassikers, was uns gleich mal dazu animierte, endlich mal ein Gin-haltiges Getränk zu uns zu nehmen.
Dann ging es um die Ecke in eine völlig durchschnittliche britische Straße und wenn wir nicht gewusst hätten, dass sich hinter der Fassade mit der Nummer 18 ein Museum befindet, wären wir glatt dran vorbei gelaufen. Dort versteckt sich nämlich Dennis Severs’ House. Ein Haus, das von oben bis unten im Stil des 17. bis 19. Jahrhunderts eingerichtet ist. Alles wirkt, als wären die Bewohner nur mal schnell aus dem Haus gegangen. Oder sind sie doch noch da? Geräusche, Gerüche und die halbvollen Teetassen lassen es vermuten. Eine faszinierende Zeitreise, bei der man völlig in die abgebildete Welt eintaucht. Prädikat: schwer empfehlenswert!
Zum Abschluss des Tages gab es lecker Hühnchen bei Nando’s und Cider im Hotelzimmer. Jetzt sind wir bestens gerüstet für unser durch und durch britisches Wochenende in London.
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