Sonntag, 1. Juni 2014

Noch Meer Kopenhagen

Ausgangspunkt des heutigen Tages war wieder mal der idyllische Stichkanal Nyhavn. Von dort fuhr die Fähre nach Flakfortet, einer vorgelagerten Insel im Oeresund. Die war aber nicht unser eigentliches Ziel, sondern die im Reiseführer angepriesene tolle Route dorthin. Der Weg führt vorbei an der gesamten Hafenanlage Kopenhagens, inklusive der königlichen Yacht, die in Blickweite des Wohnsitzes von Königs vor Anker liegt. Drei imposante Kreuzfahrtschiffe später, passierte wir die erste Insel Tre Kroner, die als Festung erbaut den Kopenhagenern 1801 im Kampf gegen die Engländern geholfen hat. Die nächste Insel auf dem Weg ist die größte künstliche der Welt ohne Festlandanbindungen, Middelgrundsfortet. Heute in Privatbesitz und sehr beliebt für Teambuildingkurse und ungewöhnliche Familienfeste.

Auf dem gesamten Oeresund herrschte reger Schiffsverkehr, vom großen Frachtschiff, bis in zu kleinen Flitzern war alles unterwegs, es ist schließlich auch eine der meist befahrenen Meerengen der Welt. Dann kam die erste Attraktion, die uns zu dieser Tour verleitet hatte: der Windpark. Mitten im Wasser stehen riesige Windräder wie die Zinnsoldaten in einer Reihe. Zwar waren sie ausgeschaltet, aber der Anblick war nicht minder beeindruckend. Die dahinter liegende gigantische Oeresundbrücke, die Dänemark und Schweden miteinander verbindet hüllte sich leider in einen dunstigen Sommerschleier, man konnte ihre Schönheit aber dennoch erahnen. Schade, aber wir waren trotzdem im Paradies. Wasser, Sonne und Wind, der einem um die Nase weht. In welcher Stadt kann man das nach knapp 30 Minuten Bootsfahrt schon behaupten? Schließlich kamen wir bei der Insel an, die wie ein grünes Paradies mitten im Wasser lag. Wir blieben trotzdem an Bord, denn die nächste Fähre zurück wäre erst zwei Stunden später gegangen und wir hatten ja noch was vor.

Wieder an Land genehmigten wir uns eine kleine Pause in einem der unzähligen Restaurants am Nyhavn, wo Andrea sich endlich DAS Sommer-In-Getränk der Kopenhagener gönnte: ein gut gekühltes Glas Rosé. Der Kopenhangener trinkt nämlich erstaunlich viel und offenbar auch sehr gerne Weißwein oder Rosé, wie wir immer wieder beobachten konnten. Gibt es eigentlich dänische Weinanbaugebiete? ;-)

Eh unser Weg uns zu unserem nächsten Ziel Christianshavn führte, machten wir einen abrupten Stopp an der nächsten Eisdiele, denn eins mussten wir ganz dringend noch probieren: Lakritz-Eis! Das brauchen wir morgen definitiv nochmal. Lecker! Richtig lecker!!!

Christianshavn ist der Altstadt von Kopenhagen vorgelagert und war früher das Armenhaus der Stadt, was sich natürlich mittlerweile total geändert hat. Susanne fühlte sich schwer an Amsterdam erinnert, was nicht verwundert, wurde das Viertel doch von Niederländischen Architekten angelegt. Viele Attraktionen gibt es hier nicht, aber ganz viel hyggelige Atmosphäre. Aber wir wollen die Vor Frelsers Kirke nicht vorenthalten. Auf den Anziehungspunkt dieses Gebäudes verzichteten wir aber beide freiwillig, denn der Aufstieg  zum 90 Meter hohen Turm verläuft über eine Treppe mit 400 Stufen, die sich dummerweise außen am Turm entlangschlängelt. Da hat sogar Andrea gestreikt. Das Innere der Kirche war allerdings auch sehr sehenswert. Vor allem der Altar, die Orgel und das von Putten umringte Taufbecken.

Einige Meter neben der Kirche beginnt ein Stück Kopenhagen, das eigentlich nicht dazu gehören will: Christiania. 1971 von Hausbesetzern gegründet, sieht sich dieser Teil der Stadt als eigener Staat. Zwar zahlt man mittlerweile Steuern, aber Einmischung der Obrigkeit wird hier immer noch nicht gern gesehen. Das macht ein Schild über dem Eingang zum Viertel auch sehr deutlich. Wir sind nicht wirklich in das Viertel hinein gegangen. Wohl fühlten wir uns beide nicht, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Andrea kann mit dieser Welt einfach so gar nix anfangen und Susanne mag diese Form von Exhibitionismus nicht. 

Da wir mittlerweile gelernt hatten, dass ein wegen Zeitmangels gestrichener Programmpunkt, seine Öffnungszeiten erfreulicherweise bis 20 Uhr ausgedehnt hatte, machten wir ein Päuschen in unserer Wohnung und uns dann wieder auf den Weg. Und zwar zum Rundetarn (Rundturm) im Herzen der Innenstadt. Da führt der Weg nämlich freundlicherweise im Inneren nach oben und das auch nicht über Treppen, sondern über eine im Kreis verlaufende Rampe. Die war nämlich für Kutschen angelegt. Anstrengend war der Aufstieg trotzdem, aber wir wurden mit einem wundervollen Blick über das abendliche Kopenhagen belohnt. Und siehe da: die Oresundbrücke war auch nicht mehr so schüchtern, wie noch am Vormittag.

Da man sich in Kopenhagen gerne mit einem im Supermarkt gekauften Getränk ans Wasser setzt, haben wir das heute zum Abschluss des Tages auch gemacht. Wir sitzen hier im schwindenden Tageslicht am Wasser, verscheuchen Mücken, schreiben Blog und lassen es uns gut gehen…

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